Überblick Synagogen in Mitteldeutschland

Die älteste erhaltene Synagoge Europas steht in Erfurt. Heute ist sie Museum und Begegnungstätte. Doch neben historischen Stätten gibt es viele Orte in Mitteldeutschland, die aktiv von jüdischen Gemeinden genutzt werden. Eine Auswahl.

Synagogen in Sachsen

Neue Synagoge Chemnitz: Im September 2020 feiert die jüdische Gemeinde Chemnitz ihr 135-jähriges Bestehen. Nur acht Überlebende des Zweiten Weltkries formieren sich 1945 wieder zu einer Gemeinde. 1961 bekommt sie ein eigenes Gemeindehaus, 2002 den markanten Neubau. Übrigens befindet sich dort auch die erste öffentliche Hörbuch-Bibliothek in russischer Sprache.

Zehn Jahre lang lagert der goldene Davidstern der Alten Dresdner Synagoge versteckt auf einem Dachboden. Gerettet haben ihn Dresdner Feuerwehrmänner während des Pogroms am 9. November 1938. Einer von ihnen, Alfred Neugebauer, übergibt ihn 1949 an den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde. Heute schmückt der Stern den Eingang der 2001 geweihten Neuen Dresdner Synagoge.

Synagogen in Mitteldeutschland
Von 1938 - 1945 wird die Leipziger Brodyer-Synagoge als Seifenfabrik genutzt. Bildrechte: dpa

Bevor die Doppelhaushälfte in der Keilstraße 4-6 ab 1904 als Synagoge des Leipziger Talmud-Tora-Vereins genutzt werden kann, muss die Decke zwischen Erd- und erstem Obergeschoß entfernt und der Fußboden abgesenkt werden. Die Bezeichnung "Brodyer Synagoge" Leipzig geht auf die in der heutigen Ukraine gelegenen Stadt Brody zurück. Von dort stammen jüdische Pelzhändler, die sich im 18. Jahrhundert in Leipzig niederlassen.

Synagogen in Sachsen-Anhalt

Mit der Weill-Synagoge entsteht in Dessau der erste Neubau einer Synagoge in Sachsen-Anhalt nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Synagoge wird in Form einer Tora-Rolle gebaut. Namensgeber ist der frühere Kantor der jüdischen Gemeinde und Vater des Komponisten Kurt Weill. Die Gemeinde gründet sich 1994 neu und trifft sich in einem Gemeindehaus mit Gebetsraum.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das Taharahaus, in dem die Leichenwaschung verstorbener Juden stattfindet, auf dem jüdischen Friedhof in Halle zur Synagoge umgebaut, die 1953 geweiht wird. Zu Jom Kippur 2019 wird die jüdische Gemeinde Opfer eines Anschlags, während dort rund 50 Menschen den Gottesdienst zum Versöhungsfest feiern.

2021 soll in Magdeburg mit dem Bau einer Synagoge begonnen werden. Im November 2019 schenkt die Stadt dem Synagogenverein ein Grundstück. In Magdeburg gibt es zwei jüdische Gemeinden, eine orthodoxe und eine liberale.

Synagogen in Thüringen

In Erfurt finden Feierlichkeiten der jüdischen Gemeinde seit 1952 in der Neuen Synagoge statt. Es handelt sich um den einzigen Neubau einer Synagoge in der DDR. In Erfurt steht zudem die älteste erhaltene Synagoge Europas. Das 900 Jahre alte Gebäude firmiert heute als Museums- und Begegnungsstätte: Alte Synagoge.

Synagoge von Berkach innen
1991 wiedereingeweiht Bildrechte: MDR / Wolfram Nagel

Möglicherweise bis ins 16. Jahrhundert geht die Entstehung der jüdischen Gemeinde von Berkach zurück. 1838 wird eine Synagoge erbaut. Die jüdische Kultusgemeinde muss die Synagoge 1939 verkaufen. Sie soll eigentlich abgerissen werden. Immerhin gelingt es, eine der sechs Tora-Rollen zu retten. Das ausgeplünderte Gebäude geht 1943 in das Eigentum der Raiffeisenbank über. Nach dem Krieg wird sie kurzzeitig als Kommandantur der Sowjetarmee genutzt, später als Schmiede, Werkstatt und Lagerraum der LPG. Die Synagoge wird 1990 restauriert und am 3. November 1991 feierlich wiedereingeweiht. Seitdem kann sie von der Landesgemeinde wieder als Betraum genutzt werden.

An der ehemaligen jüdischen Schule gleich neben der Synagoge erinnert eine Tafel an den Kantor, Lehrer und Herausgeber der "Liturgischen Zeitschrift", Hermann Ehrlich, der dort auch wohnte. Wie die Synagoge an der Mühlfelder Straße blieb das kleine Ritualbad als einer der wenigen sakralen Bauten der Südthüringer Landjuden erhalten, genutzt als Geräteschuppen.

In Aschenhausen bei Kaltennordheim gibt es bis 1938 eine jüdische Gemeinde. Ihre Entstehung geht in die Zeit um 1700 zurück. 1843 wird eine Synagoge geweiht, die sich am klassizistischen Stil der Dresdner Sempersynagoge orientiert. Deren äußere Hülle ist erhalten geblieben. Die Synagoge gilt als einer der interessantesten Sakralbauten des deutschen Landjudentums überhaupt.

1936 findet ein letzter Gottesdienst statt. Danach wird sie vom neuen Eigentümer als Scheune genutzt und deswegen in der Progromnacht 1938 vermutlich nicht angezündet. Zu DDR-Zeiten gibt es Überlegungen, in der einstigen Synagoge eine Stätte der Begegnung einzurichten. 1987 beginnt die Restaurierung, die mit Hilfe vieler Freiwilliger 1991 abgeschlossen wird. Seither wird sie als Stätte der Begegnung und Erinnerung genutzt.    

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