Corona-Forschung aktuell: 19. November Neues Corona-Symptom bei älteren Patienten

Unter den Experten setzt sich die Einsicht durch, dass die akute Corona-Infektion nur eine Phase des Krankheitsverlaufs ist. Denn Patienten sind oft noch nicht geheilt, auch wenn das Virus besiegt wurde. Bei älteren Menschen zeigt sich inzwischen ein neues Corona-Symptom.

Mund-Nasen-Bedeckung hängt griffbereit an einem Rollator
Bildrechte: imago images/Seeliger

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über Corona

Immer mehr Impfstoffprojekte melden positive Zwischenergebnisse - damit rücken Fragen nach der richtigen Verteilung in den Vordergrund. Auch daneben finden Forscher immer mehr über das Coronavirus und seine Ausbreitung heraus. MDR Wissen verschafft Ihnen hier den Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Verantwortlich für Corona-Spätfolgen? Die komplizierte Rolle der T-Zellen

T-Zellen gehören zu den sogenannten weißen Blutkörperchen. Sie sind ein zentraler Teil des Immunsystems, je nach Typ unter anderem dafür zuständig, Viren von bereits durchgemachten Infektionen wiederzuerkennen oder mit Viren infizierte Zellen zu zerstören. Welche Rolle sie bei Corona spielen, gehört zu den großen Rätseln der Pandemie. So könnte einerseits ihre Memory-Funktion darüber entscheiden, wie lang die Immunität nach einer durchlebten Infektion oder auch nach einer Impfung anhält. Die schwedischen Mediziner Annika Karlsson, Marion Humbert und Marcus Buggert fassen im Fachblatt Science Immunology den aktuellen Stand der Forschung und die offenen Fragen zusammen. Zu letzteren gehört auch das Phänomen, dass einige T-Zell-Antworten offenbar sehr problematische Folgen haben. So werden sie etwa verdächtigt, für Teile der sogenannten "Long Covid" verantwortlich zu sein, also für die Corona-Langzeitfolgen wie anhaltende Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Kurzatmigkeit. Wie diese Phänomene zusammenhängen, müssen neue Studien klären, schreiben die Autoren.

Corona bei Senioren: Delirium ist häufigstes Symptom

Eine neue Studie im Fachjournal JAMA weist auf ein mögliches Symptom für Covid-19 bei Menschen über 65 Jahren hin. Diese Gruppe der Älteren befinde sich oft im Delirium, wenn sie in die Notaufnahme kämen. Sie seien also akut verwirrt, oft geistig nicht richtig anwesend und teilweise desorientiert. Ein solches Delirium weise meist auf schwere Erkrankungen hin, werde aber oft nicht als Symptom erkannt. In der jetzt veröffentlichten Kohortenstudie wurden insgesamt 817 ältere Patienten mit Covid-19 untersucht. 226 von ihnen befanden sich im Delirium, als sie einem Arzt vorgestellt wurden. Bei 84 war der Zustand das einzige Symptom der Corona-Infektion, Kurzatmigkeit oder Fieber fehlten dagegen. Diese Patienten mussten besonders häufig auf der Intensivstation behandelt werden, viele von ihnen starben. Die Mediziner schließen daraus, dass Delirium dringend in die Symptom-Checklisten bei Corona aufgenommen werden sollte.

Kombination aus Remdesivir und hrsACE2 erfolgreich gegen Corona

Schwedische Mediziner testen aktuell eine Kombinationstherapie aus dem bereits gegen Corona zugelassenen Remdesivir und einem noch in der Testung befindlichen Wirkstoff namens hrsACE2. Dessen besondere Eigenschaft ist, dass er das Sars-Coronavirus-2 von den ACE-2-Eiweißen ablenken kann. An diesen Proteinen dockt das Virus normalerweise an und dringt so in die menschlichen Zellen ein. Laut der in der Fachzeitschrift EMBO Molecular Medicine erschienenen Studie konnte die Kombination aus beiden Wirkstoffen die Virenmenge in Zellkulturen deutlich reduzieren und die Vermehrung der Krankheitserreger effektiv eindämmen. Zudem waren im Zweierpack nur sehr geringe Dosen der einzelnen Bestandteile notwendig. Weil Remdesivir in höheren Mengen für Menschen gefährlich ist, wäre das ein großer Vorteil. Kombinationstherapien haben sich bereits gegen HIV als erfolgreiche Strategien herausgestellt, schreiben die Forscher.

Langzeitfolgen sollen offizieller Teil der Corona-Beschreibung werden

Ein Mediziner-Team der US-Seuchenschutz-Behörde CDCP schlägt eine neue Verlaufsbeschreibung von Corona-Infektionen vor. Dabei wird die akute Erkrankung um eine Superentzündungsphase und um eine Langzeitfolgenphase ("Long Covid") ergänzt. Das stützt Beobachtungen, wonach auf Verläufe mit wenigen bis gar keinen Symptomen trotzdem Entzündungen und Langzeitprobleme folgen können. Wie die Forscher im Fachblatt JAMA schreiben, sei die akute Infektion durch das Eindringen und die Vermehrung der Viren in den menschlichen Zellen gekennzeichnet sowie die Isolation und Beseitigung der Krankheitserreger im Körper. Bei dem bei einigen Patienten beobachteten Multisystem-Entzündungs-Syndrom (MIS) – einer Superentzündungsphase – dagegen spielen die Coronaviren offenbar keine Rolle mehr. Stattdessen scheint es das überreagierende Immunsystem zu sein, dass den eigenen Körper und die eigenen Organe angreift. Das MIS tritt sowohl bei einigen Kindern, als auch bei Erwachsenen auf und folgt etwa zwei bis fünf Wochen nach der eigentlichen Infektion. In dieser Phase zeigen Antikörpertests, dass es eine Infektion gab, wobei PCR Tests meistens keine Viren mehr in den Proben finden können. In einer vier Wochen nach der eigentlichen Infektion auftretenden Langzeitfolgenphase wiederum können vielfältige Symptome auftreten. Hier gebe es zwar ein großes öffentliches Interesse, da sich Berichte über Spätfolgen häuften, die noch mehrere Monate nach der Infektion anhalten. Es gebe aber noch wenig vergleichende Untersuchungen, schreiben die Autoren.

(ens)

MDR Aktuell

0 Kommentare