Manfred Weber geht bei der Europawahl zu einer Wahlkabine.
Der EVP-Spitzenkandidat für die Europawahl, Manfred Weber (CSU), bei der Stimmabgabe. Bildrechte: dpa

Mitteldeutschland Großes Interesse an Europawahl

In sieben Ländern wurde bereits seit Donnerstag das neue Europaparlament gewählt. Heute sind nun auch Deutschland und 20 weitere EU-Länder dran. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeichnete sich bis zum frühen Nachmittag eine hohe Beteiligung ab. Hinzu kommen noch die vielen Briefwähler, die bereits im Vorfeld abstimmten. Der Bundeswahlleiter sieht diesen Trend kritisch.

Manfred Weber geht bei der Europawahl zu einer Wahlkabine.
Der EVP-Spitzenkandidat für die Europawahl, Manfred Weber (CSU), bei der Stimmabgabe. Bildrechte: dpa

In Deutschland sind am Sonntag knapp 65 Millionen Menschen zur Wahl des neuen Europaparlaments aufgerufen. Davon haben etwa 61 Millionen einen deutschen Pass. Wahlberechtigt sind auch knapp vier Millionen in Deutschland lebende EU-Bürger. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

In 21 der 28 EU-Länder ist der 26. Mai Wahltag, darunter in großen Staaten wie Frankreich, Italien, Polen und Spanien. Einige Länder hatten schon in den vergangenen Tagen ihre Vertreter für das EU-Parlament in Straßburg gewählt.

Höhere Wahlbeteiligung als 2014

Bei der Europawahl in Deutschland zeichnet sich ein größeres Interesse ab als vor fünf Jahren. Bis 14 Uhr gaben nach Angaben des Bundeswahlleiters 29,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Briefwahlstimmen waren dabei nicht berücksichtigt. Bei der Europawahl 2014 lag die Wahlbeteiligung zu dem Zeitpunkt bei 25,6 Prozent, am Ende betrug sie 48,1 Prozent. Auch viele andere EU-Länder meldeten ein gestiegenes Interesse.

Besonders reges Interesse in Mitteldeutschland

In Sachsen hatten bis 14 Uhr laut Statistischem Landesamt 31,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, bei der Europawahl 2014 waren es bis zu dem Zeitpunkt nur 25,3 Prozent. Ähnliches Bild in Sachsen-Anhalt: Dort lag die Wahlbeteiligung nach offiziellen Angaben bei 31,1 Prozent (2014: 22,7 Prozent). In Thüringen betrug die Beteiligung bis 14 Uhr sogar 36,4  Prozent, nach 31 Prozent vor fünf Jahren. Teils bildeten sich Schlangen vor den Wahllokalen.

Rekordbeteiligung bei Briefwahl

Deutschlandweit gab es diesmal auch eine deutlich höhere Stimmabgabe per Briefwahl. Das zeigt eine stichprobenartige Abfrage von MDR AKTUELL bei Wahlämtern in Mitteldeutschland. So gingen in Halle nach Angaben des Stadtsprechers bis Freitag mehr als 27.000 Briefwahlanträge zur Kommunal- und Europawahl ein. Bei den letzten Wahlen vor fünf Jahren seien es gut 19.000 gewesen. Das entspricht einem Plus von 42 Prozent.

Auch in Jena gibt es nach Angaben einer Stadtsprecherin mehr Briefwähler. Genaue Zahlen würden aber noch nicht mitgeteilt, damit keine Rückschlüsse auf die Wahlbeteiligung möglich seien. In Leipzig gingen bis Wochenbeginn fast 70.000 Briefwahlanträge bei der Stadt ein. Vor fünf Jahren waren knapp 40.000 Briefwahlunterlagen ausgestellt worden.

Bundeswahlleiter sieht Briefwahl kritisch

Briefwahl Magdeburg
In vielen Briefwahlstellen bildeten sich Schlangen, wie hier in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Bundeswahlleiter Georg Thiel sieht das kritisch. Zwar sei eine hohe Wahlbeteiligung gut für den demokratischen Willensbildungsprozess. Doch eigentlich gelte der Grundsatz der Wahl unter gleichen Bedingungen - also möglichst am Wahlsonntag. Thiel hält es für problematisch, den Wahlzeitraum über Tage oder Wochen zu strecken.

Die hohe Zahl an Briefwählern birgt auch logistische Risiken. Der Bundeswahlleiter rief am Mittwoch dazu auf, Wahlbriefe umgehend abzuschicken. Die Briefe müssten bis Sonntag um 18 Uhr bei den zuständigen Stellen eingetroffen sein, nur dann würden die Stimmen gezählt werden. Weitere Möglichkeiten seien, den Wahlbrief bei der auf dem Umschlag gedruckten Adresse persönlich abzugeben oder die Stimmabgabe bei der zuständigen Gemeindebehörde. Auch wachse mit der Briefwahl die Gefahr von Manipulation und Pannen.

Rechtsruck im Europaparlament?

Im neuen Europaparlament werden Umfragen zufolge mehr Nationalisten und EU-Skeptiker sitzen. Parteien wie die italienische Lega Nord, Fidesz in Ungarn, die Finnenpartei und die AfD rechnen mit deutlichen Stimmengewinnen. In Deutschland lag die AfD laut Forschungsgruppe Wahlen eine Woche vor der Abstimmung bei zwölf Prozent.

Das bürgerlich-konservative Lager um die deutsche CDU/CSU und die Sozialdemokraten im EU-Parlament müssen mit deutlichen Verlusten rechnen. Davon könnten neben den Protestparteien links und rechts außen auch die Grünen profitieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Mai 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2019, 16:33 Uhr

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21 Kommentare

26.05.2019 23:39 Hubert 21

@11 Morchelchen 26.05.2019 12:55

Ach Morchelchen, ich versuche gerade in deine Gedankenwelt einzusteigen.
Weißt du denn gar nicht, daß der "Brüsseler Wasserkopf" genau das regelt, was seine Mitgliedsstaaten "klammheimlich" und einstimmig beschlossen haben?

Stelle dir mal eine Welt ohne Normung vor. - Und so jemand schreibt einen Beitrag in der Hoffnung, daß dieser für einen anderen lesbar ist. Herrjee...

26.05.2019 17:30 nasowasaberauch 20

Diese EU Wahl ist wie ein Flickenteppich. Wieso bekommt es die EU nicht hin an einem Tag zu wählen und keine Prognosen vor Schließung des letzten Wahllokals zu veröffentlichen?

26.05.2019 17:13 alter Ossi 19

Die Schlangen entstanden nicht wegen der erhöhten Wahlbeteiligung, sondern weil man 3 teils sehr lange Wahlzettel ausfüllen musste (bei mir war es Europa-, Stadtrats- und Stadtbeiratswahl). Selbst das wieder zusammenfalten beanspruchte Zeit.

26.05.2019 16:29 Jens Nachtermann 18

26.05.2019 12:53 winfried zu (8)Sachse43
1. Hat die DDR mit diesem Thema nichts zu tun. 2. Lag die Wahlbeteiligung in der DDR offiziell bei etwas über 98%. Ca. 10-15 % gingen nach neuesten Erkenntnissen nicht zur Wahl oder wählen nicht die Kandidaten der Nationalen Front.

26.05.2019 15:27 Uwe 17

Es wird von einer hohen Wahlbeteiligung berichtet. Das bedeutet für mich das viele Nichtwähler wählen gehen. Also die die in der Vergangenheit nicht wählen gegangen sind weil die den Glauben an Politik verloren haben und die Schnauze voll haben. Dazu das Ergebnis der Umfrage des Allensbach Institut von vor 2 Wochen wonach 82 Prozent der Deutschen Angst haben öffentlich ihre tatsächliche politische Meinung zu sagen. Spannend!!! Mal sehen ob das permanente rotrotgrüne berieseln der Medien

26.05.2019 15:11 Fragender Rentner 16

@Pfingstrose zu 15

Wenn du deine Stimme einer Partei oder einem Kandiaten gegeben hast, dann ist der Gewählte nur noch seinem Gewissen oder wenn es um eine Partei geht, dann sind sie doch zu fast 100% dem Parteienzwang bei einer Abstimmung unterlegen oder nicht?

Da gibt es doch kaum Gesetze wo sie frei abstimmen können, die kannst du in der gewählten Zeit bestimmt an einer Hand abzählen.

26.05.2019 13:45 Pfingstrose 15

Nur wer wählen geht, kann mitreden und seine stimme erheben.

26.05.2019 13:22 Michael Möller 14

ich habe dieses mal Briefwahl durchgeführt und das nur weil ich heute in Thüringen bin zur Feier bei meiner Schwägerin und dadurch hier in Hessen nicht wählen könnte. aber ich habe unterschiedliche Meinung auf der Feier gehört warum man nicht wählen sollte und warum nicht. ich würde sagen wer nicht wählen geht hat auch kein Recht irgend eine Regierung bzw. Politiker wegen falscher Politik zu kritisieren. denn der Wähler wollte sich nicht mit den Parteiprogrammen auseinander setzen bzw. wie deren Politik der letzten 25-35 Jahren dem Land und der Bevölkerung geschadet oder genutzt hat.es sind genug Parteien oder Vereine die auf der Liste stehen also kann man sehr wohl zur Wahl gehen und seine Stimme abgeben. ich hoffe die Wähler gehen und stimmen richtig ab.

26.05.2019 13:08 Örford 13

@7 jawoll, zurück in die Steinzeit! Bei manchen fragt man sich wirklich...

26.05.2019 12:59 Manni 12

Warum sollte ich hier noch wählen gehen.
Es regieren doch eh nur Populisten, die von nichts eine Ahnung haben. Selbst Kinder rebellieren heute schon bei Fridays for future und Influencer sehen sich gezwungen mit den Populisten von CDU und SPD im Internet abzurechnen.
Wer noch nicht gemerkt hat, wie sich Europa und auch Deutschland ZERLEGT, der hat die Zeichen leider nicht begriffen.

Und an alle Mitforisten: Ich finde hier so manch einen Kommentar UNPLAZIERT. Europa war und ist der GARANT FÜR FRIEDEN auf diesem Kontinent.