Sandsäcke vor Schaufenstern in Meißen, 2002
Bildrechte: MDR/Pia Frenzel, Meißen

Chronik Die Jahrhundertflut 2002 in Sachsen

Nach schweren Regenfällen und Hochwassern in Italien, Österreich und Tschechien lässt der aufkommende Regen nun auch in Sachsen die Sorgen wachsen. Bange Blicke richten sich auf die Elbe, die aus Tschechien immer mehr Wasser heranführt. Womit jedoch kaum jemand rechnete - Tod und Verwüstung kamen zuerst über sonst kleine Flüsse aus dem Erzgebirge.

Sandsäcke vor Schaufenstern in Meißen, 2002
Bildrechte: MDR/Pia Frenzel, Meißen

9. August, Freitag: Die Elbe-Pegel steigen

Starke Niederschläge in der Tschechischen Republik lassen auch die Pegel der Elbe in Sachsen rasch steigen. Nach einem Stand von 1,68 Meter am Donnerstag klettert die Messmarke in der Landeshauptstadt Dresden bis zum Nachmittag auf 2,97 Meter. Die Behörden rufen Hochwasser-Alarmstufe 2 aus, die Sächsische Dampfschifffahrt sagt alle geplanten Fahrten für das Wochenende ab.

10. August, Sonnabend: "Ilse" erreicht das Erzgebirge

Das Tief "Ilse", das sich über dem Mittelmeer mit Wasser vollgesogen hat, zieht an den Alpen vorbei in Richtung Erzgebirge. In Italien und Österreich regnet es seit Tagen heftig, in Österreich gibt es ebenso Hochwasser wie in Tschechien, wo eine Flutwelle der Moldau sich in Richtung der Elbe bewegt. Auch im Süden von Deutschland werden Unwetterwarnungen herausgegeben, unter anderem für den Raum Passau und weitere Teile von Bayern.

Derweil überschreitet der Elbe-Pegel in Dresden die Fünf-Meter-Marke. In Schöna an der tschechischen Grenze wird bei einem Wasserstand von sechs Meteren die Alarmstufe 3 ausgerufen. Dennoch sind nach der Einschätzung des sächsischen Innenministeriums vorerst keine großen Schäden zu befürchten.

11. August, Sonntag: Die Flut bahnt sich an

Wolken
Nach langer Hitzewelle ziehen dunkle Wolken auf. Sie bringen mehr als nur Abkühlung... Bildrechte: colourbox.com

Der Sturm drückt die Regenwolken an den Kamm des Erzgebirges. Am Abend dieses Tages gibt es Unwetterwarnungen für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Deutsche Wetterdienst geht gegen 23.00 Uhr von Regenmengen bis zu 40 mm pro Quadratmeter aus - zunächst. Der private Wetterdienst von Jörg Kachelmann kündigt sogar bis zu 100 mm/m² in den kommenden 24 Stunden vor allem für den Süden von Sachsen an.

Besonders im Erzgebirge, in der Gegend um Zinnwald, hört man diese Meldungen mit Sorge. In der Umgebung entspringen die Rote Weißeritz und die Wilde Weißeritz, die sich vor Freital vereinigen. Nicht weit entfernt davon hat die Müglitz ihren Ursprung und etwas weiter nördlich die Lockwitz, auch Lockwitzbach genannt. Alle diese Flüsse münden in Dresden schließlich in die ohnehin schon viel Wasser führende Elbe.

Am Nachmittag wird es fast überall in Sachsen recht stürmisch, es beginnt zu regnen, in der Nacht dann immer heftiger. Der Elbe-Pegel in Dresden lag gegen 6.00 Uhr morgens schon bei 5,58 Metern, sinkt aber nun bis 20:00 Uhr noch einmal leicht auf 5,48 Meter - eine trügerische Entspannung.