Die Nährstoffe im Boden optimal nutzen Fruchtfolge und Fruchtwechsel auf dem Gemüsebeet

Fruchtfolge und Fruchtwechsel sind die wichtigsten Kriterien, um den Boden zu pflegen und Bodenkrankheiten vorzubeugen. Nur ein gehaltvoller Boden sichert eine gute Ernte über viele Jahre hinweg. Je bunter es innerhalb einer Saison und von Jahr zu Jahr auf dem Beet zugeht, desto schwerer haben es Schädlinge und Krankheiten, sich auszubreiten, und desto ausgewogener bleibt der Nährstoffgehalt im Boden. Auch Nützlinge bekommen so ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot.

Unkraut jäten
Damit über viele Jahre gesundes Gemüse im Garten wächst, muss der Boden gepflegt werden. Deshalb ist es wichtig, dass die Pflanzen wechseln - in einer Saison und von Jahr zu Jahr. Bildrechte: imago/Panthermedia

"Das A und O für den Gemüseanbau ist ein guter Boden", sagt Martin Krumbein, Gemüseexperte im Lehr- und Versuchzentrum Gartenbau in Erfurt. Damit der Boden nicht müde wird und die Pflanzen optimal mit Nährstoffen versorgt werden, ist es wichtig, die Pflanzreihenfolge zu beachten. Das gilt sowohl innerhalb einer Saison, als auch über mehrere Jahre hinweg, erklärt der Experte. Denn wenn hungrige Pflanzen immer wieder am gleichen Platz wachsen, sind die Nährstoffe im Boden irgendwann aufgebraucht. Um sich zu erholen, braucht der Boden Zeit oder zusätzlichen Dünger - zum Beispiel Humus vom Komposthaufen oder Mist von Pferd, Rind oder Schaf.

Gärtner Martin Krumbein hockt an einem Gemüsebeet mit Salaten
Martin Krumbein macht beruflich viele Versuche mit Gemüse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jede, gut mit organischer Masse versorgte Pflanzfläche, hat ein Nährstoffdepot, mit dem der Gärtner über die Saison und danach drei Jahre lang haushalten muss. Starkzehrer leeren das Depot sehr schnell, Schwachzehrer schonen es. Mit Düngung kann man es teilweise wieder auffüllen.

Martin Krumbein, Bereichleiter für Gemüse im Lehr und Versuchzentrum Gartenbau in Erfurt

Für einen gesunden, vitalen Boden ist es wichtig, dass es auf dem Gemüsebeet abwechslungsreich zugeht und sich Starkzehrer mit Schwachzehrern abwechseln. So werden die Nährstoffe im Beet optimal genutzt. Nach einem hungrigen Starkzehrer sollte deshalb ein genügsamer Mittel- oder Schwachzehrer angebaut werden. Wichtig ist zudem, dass die Pflanzenfamilien jedes Jahr an einen neuen Platz umziehen, damit sich Schadorganismen im Boden, zum Beispiel Pilze, nicht etablieren und nachfolgende Pflanzen schädigen können.

Fruchtfolge Fruchtfolge nennt man den Anbau von Gemüsepflanzen mit unterschiedlichen Bedürfnissen auf einem Beet innerhalb einer Saison.

Fruchtwechsel Der Fruchtwechsel ist die jährlich wechselnde Bepflanzung eines Beetes mit unterschiedlichen Gemüsearten.

Ein kleiner Junge hält große Rote Beete Knollen in seinen Händen.
Rote Beete steht lange auf dem Beet und ist eine Hauptkultur. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die Planung der Fruchtfolge (innerhalb einer Saison) und des Fruchtwechsels (von Jahr zu Jahr) orientiert sich immer an der Hauptkultur, die auf dem jeweiligen Beet angebaut werden soll, sagt Martin Krumbein. Die Hauptkultur braucht in der Regel die längst Zeit bis zur Reife und nimmt die größte Fläche im Beet ein. Sie hinterlässt auf dem Boden sozusagen den größten Fußabdruck. Nachdem die Wahl der Hauptkultur steht, legt man die Vor- und Nachkulturen fest.

Anbau von Gemüse innerhalb einer Saison: die richtige Fruchtfolge

Kartoffeln werden geerntet
In Pflanzlücken kommen nach Starkzehrern weniger hungrige Pflanzen. Nach der Kartoffel wächst der Salat oder Spinat gut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In einer Saison möchte der Gärtner so viel und so abwechslungsreich wie möglich ernten. Damit der Boden ausreichend Nährstoffe bereithält, ist es wichtig zu überlegen, in welcher Reihenfolge Gemüsearten auf dem Beet angebaut werden sollen. Sind die Frühkartoffeln geerntet, die zu den Starkzehrern gehören, dürfen weniger hungrige Salate oder Spinat ins Beet. Mit zu vielen Nährstoffen wären die beiden genügsameren Gemüsearten überfordert, sie würden - vor allem in den Sommermonaten - zu viel Stickstoff aufnehmen und schließlich als Nitrat in den Blättern speichern. Ein weiteres Kriterium, das bei der Fruchtfolge zu beachten ist, ist die Zugehörigkeit zu einer Pflanzenfamilie.

Ein von Erdflöhen befallener Kohlrabi mit Löchern in den Blättern wächst in einem Hochbeet
Dort wo der Erdfloh schon Gemüse gefressen hat, keine Kreuzblütler hinsetzen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Um Krankheiten nicht auf die nächste Pflanze zu übertragen, ist es sinnvoll, Pflanzen einer anderen Familie in eine Lücke zu setzen. Das Radieschen würde als Schwachzehrer zwar wunderbar nach dem Kohl auf ein Beet passen, gehört aber - wie der Kohl - zu den Kreuzblütlern. Spinat aus der Fuchsschwanzfamilie wäre deshalb die bessere Wahl. Martin Krumbein fügt aber hinzu, dass gerade bei sehr schnellen Kulturen das Risiko für Krankheitsübertragungen eher gering ist. Der Wechsel der Pflanzenfamilie innerhalb einer Saison ist also ratsam, aber kein Muss, wenn die Pflanzen gesund sind.

Fruchtfolge: Diese Informationen über die Pflanzen sind wichtig:

1. Welches Gemüse soll als Hauptkultur anbaut werden?
2. Wann wird das Gemüse gesät oder gepflanzt?
3. Wann wird das Gemüse geerntet?
4. Wie lange steht das Beet vor und nach der Hauptkultur zur freien Verfügung?
5. Welches Gemüse wächst in diesem Zeitraum und schafft es reif zu werden?

Rote Beete auf einem Beet
Rote Beete wächst lange auf dem Beet und ist damit eine Hauptkultur. Bildrechte: MDR/ Nadine Witt

Zucchini, Kürbis, Kohl oder Rote Beete stehen lange auf dem Beet und sind deshalb Hauptkulturen. Im Mai können sie gepflanzt oder gesät werden. Es ist vorher ausreichend Zeit, eine schnelle Vorkultur zu säen, zum Beispiel Radieschen oder Feldsalat, am besten auf das noch ungedüngte Gartenbeet. Hauptkulturen wie Möhren, Pastinake oder Rosenkohl hingegen, müssen schon früher - im März, April - in den Boden. Eine Vorkultur im Freiland ist daher nicht sinnvoll, weil die Zeit zu kurz ist. Je nach Erntezeit der Hauptkultur, kann noch eine Nachkultur gepflanzt werden. Wählen Sie einen Schwachzehrer, dem die Nährstoffe im Beet noch ausreichen und der es bis zum Saisonende schafft zu reifen.

Den Fruchtwechsel von Jahr zu Jahr auf dem Gemüsebeet planen

HAG 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer in Mischkultur anbaut und die Gemüsesorten auf dem Beet regelmäßig wechselt, sorgt für gesunde, kräftige Pflanzen und reiche Ernte.

MDR FERNSEHEN So 09.05.2021 08:30Uhr 05:42 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/pflegen/heiss-auf-gemuese-mischkultur-fruchtwechsel-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dem Fruchtwechsel des Gemüses von Jahr zu Jahr misst Gemüse-Experte Krumbein eine größere Bedeutung zu, als der Fruchtfolge während der Saison. Mit dem Wechsel der Kulturen von Beet zu Beet, bekommt der Boden Zeit sich zu regenerieren. Eine Anbaumethode ist die Vierfelderwirtschaft.

Im ersten Jahr werden auf dem frisch gedüngten Beet Starkzehrer angebaut, im zweiten Jahr folgt ein Mittelzehrer und im dritten Jahr ein Schwachzehrer. Bei der Vierfelderwirtschaft gönnt der Gärtner dem Beet im vierten Jahr eine Kur mit Gründünger.

Bevor Starkzehrer gepflanzt werden, muss die Fläche trotzdem noch mit einem zusätzlichen Dünger versorgt werden. Der Gründünger allein schafft es nicht das Depot komplett aufzufüllen. Ein Starkzehrer nach dem anderen auf der gleichen Fläche, würde zu Bodenmüdigkeit führen, erklärt Martin Krumbein. Es wären kaum noch Nährstoffe vorhanden und die Pflanzen würden nur mickrig oder gar nicht wachsen.

Pflanzenfamilien sollten wechseln

Wichtig ist beim Gemüseanbau über mehrere Jahre auch der Wechsel der Pflanzenfamilien von Beet zu Beet, betont Krumbein. Pflanzen der gleichen Familie sollten nicht zwei Jahre in Folge am gleichen Platz wachsen, damit sich Krankheitserreger, zum Beispiel Pilze, nicht vermehren und auch die nächste Pflanze befallen. Als Beispiel nennt der Experte die Kohlschwärze. Die faulen Blätter werden durch einen Pilz im Boden verursacht, der durch feuchtes Wetter begünstigt wird. "Tritt diese Krankheit auf, sollten drei Jahre lang keine Pflanzen der gleichen Pflanzenfamilie auf dem Platz wachsen", so Krumbein.

Grafik: Kreisdiagram das den Pflanzenwechsel in vier Jahren grafisch darstellt.  Vierfelderwirtschaft im Jahresverlauf
Die Vierfelderwirtschaft ist eine Abaumethode auf vier Beeten in vier Jahren. Bildrechte: MDR

Pflanzenfamilien * Nachtschattengewächse: Tomaten, Kartoffeln, Auberginen, Paprika
* Korbblütler: Eisbergsalat, Kopfsalat, Endiviensalat
* Kreuzblütler: Meerrettich, Blumenkohl, Senf
* Doldenblütler: Sellerie, Fenchel, Möhre
* Lauchgewächse: Knoblauch, Zwiebeln, Lauch
* Hülsenfrüchtler: Bohnen, Erbsen

Diese Pflanzen bleiben gern am gleichen Platz:

Einige Pflanzen können mehrere Jahre immer wieder am gleichen Standort angebaut werden. Dazu zählen Beeren, Erdbeeren (ca. 3 Jahre), Kräuter, Rhabarber (ca. 8 Jahre), Spargel und Tomaten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 09. Mai 2021 | 08:30 Uhr