Millionen-Investition und Jobs Freude in Sachsen-Anhalt über Zukunftszentrum in Halle

16. Februar 2023, 10:32 Uhr

Halle hat sich im Rennen um das Zukunftszentrum Deutsche Einheit durchgesetzt. Das hat die Bundesregierung am Mittwochnachmittag bestätigt. Die Stadt hatte im Wettbewerb mit Leipzig und Plauen, Jena, Eisenach sowie Frankfurt (Oder) gestanden. Bis 2028 soll in Halle am Riebeckplatz ein neues Gebäude errichtet werden. 200 Millionen Euro sollen investiert werden und etwa 200 Arbeitsplätze entstehen.

Die Stadt Halle hat den Zuschlag für das geplante Zukunftszentrum Deutsche Einheit bekommen. Das hat die Bundesregierung am Mittwochnachmittag in einer Pressekonferenz bestätigt und ist damit dem Vorschlag der Auswahl-Jury gefolgt.

Die Vorsitzende der Jury, die SPD-Bundestagsabgeordnete Katrin Budde, sagte bei der Pressekonferenz in Berlin: "Ich freue mich als Sachsen-Anhalterin, dass es ein Standort in Sachsen-Anhalt ist, einem Land, das noch viele Regional-Entwicklungs-Bedarfe hat und gratuliere der Kommune." Halles Bürgermeister Egbert Geier (SPD) äußerte vor Ort seine Freude und bot den Mitbewerbern an, in Kontakt zu bleiben und die Ideen, die in den anderen Städten entstanden sind zu integrieren.

Das Zukunftszentrum Deutsche Einheit und Europäische Transformation soll nach Angaben der Stadt Halle am Riebeckplatz angesiedelt werden.

Frankfurt (Oder), Jena, Leipzig/Plauen und Eisenach gehen leer aus

Im Rennen um die Wissenschafts-Einrichtung waren sechs ostdeutsche Städte mit fünf Vorhaben, neben Halle, Frankfurt an der Oder (Brandenburg), Leipzig und Plauen (Sachsen) sowie Jena und Eisenach (Thüringen).

Nach Angaben des Oberbürgermeisters von Frankfurt (Oder) ist die Stadt hinter Halle Zweitplatzierte geworden. Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke (Linke) schrieb bei Facebook, die Jury-Entscheidung schmerze "nach anderthalb Jahren harter, gemeinsamer Arbeit und Herzblut von so vielen Menschen."

Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) sagte am Dienstagabend MDR THÜRINGEN, sie sei sehr enttäuscht. Ein tolles Team mit vielen Ehrenamtlichen habe sehr darum gekämpft, dass die Wartburg-Stadt den Zuschlag erhält. Auch Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) sagte, er sei traurig, dass es für seine Stadt mit einer "starken Bewerbung" nicht gereicht habe.

Was ist das Zukunftszentrum Deutsche Einheit? Die Erfahrungen und Leistungen der Ostdeutschen seit der Wiedervereinigung sichtbar zu machen – das ist laut Bundesregierung die Aufgabe des Zukunftszentrums Deutsche Einheit. In dem Gebäude, das einerseits als Museum fungieren soll, sollen andererseits aber auch die Bedingungen für eine Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft erforscht werden. Außerdem soll das Zentrum einen Raum für Kultur und Dialog bieten.

Halles Bürgermeister: Zukunftszentrum für Deutsche Einheit "mehr gebraucht denn je"

Bürgermeister Egbert Geier (SPD) reagierte in einer Mitteilung mit großer Freude auf den Jury-Zuschlag für die Saale-Stadt. Die Vergabe sei eine großartige Nachricht für Stadt, Region und das Land Sachsen-Anhalt.

Geier sagte, das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation werde über "30 Jahre nach der Wiedervereinigung mehr gebraucht denn je". In ihm sollten Erfahrungen zu gesellschaftlichen Wandlungen gesammelt und Bürgerdialoge organisiert werden. Das Zentrum solle als "lebendiger Ort in einer Stadt im Herzen Deutschlands und Europas" entstehen, so Geier.

Das ist eine großartige, um nicht zu sagen einmalige Nachricht für unsere Stadt, die Region und das Land Sachsen-Anhalt.

Egbert Geier (SPD) Bürgermeister von Halle

Nach Ansicht von Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) wird das Zentrum ein wichtiger Ort für alle Deutschen sein. Es werde viele Menschen nach Halle, Sachsen-Anhalt und Ostdeutschland führen, sagte er am Dienstagabend via Twitter. Andreas Silbersack, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt sagte, mit dem Zukunftszentrum in Halle sei "ein weiterer Meilenstein für die Zukunft einer ganzen Region erreicht".

Haseloff: Halle idealer Standort

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) freut sich über die Wahl. "Halle ist ein ausgezeichneter Standort für das Zentrum. Als Mittelpunkt der Chemieregion ist die Stadt reich an Transformations-Erfahrungen. Auch der Wandel in der mitteldeutschen Kohle-Region wird von hier entscheidend mitgeprägt", erklärte Haseloff. Darüber hinaus sei das kulturelle und wissenschaftliche Umfeld Halles ideal.

Haseloff hat dafür geworben auch Ideen und Vorstellungen anderer Bewerber-Städte mit einzubeziehen. "Das Zukunftszentrum wird seinen Sitz in Halle haben, aber es ist kein Zentrum für Halle, sondern für ganz Deutschland", sagte der Ministerpräsident. "Auf Grundlage der gemeinsamen Transformations-Erfahrungen in Deutschland und bei unseren östlichen europäischen Nachbarn können wir unser gemeinsames künftiges Zusammenleben gestalten."

Um aufzuklappen: Ehemalige Bewerber-Städte aus Sachsen-Anhalt

Auch aus Sachsen-Anhalt hatte es zu Beginn des Verfahrens mehrere Interessenten gegeben: Magdeburg, Dessau-Roßlau und die Lutherstadt Wittenberg hatten sich beworben, ihre Pläne aber zugunsten von Halle später zurückgezogen.

Bis zu 200 Millionen Euro Investition

Der Bund will bis zu 200 Millionen Euro in das Projekt investieren und das Zukunftszentrum dann jährlich mit etwa 40 Millionen Euro finanzieren. Bundesregierung und Bundestag hatten im vergangenen Frühjahr das Zentrum auf den Weg gebracht. Es soll nach dem Willen Berlins in Ostdeutschland entstehen. 2028 ist die Inbetriebnahme geplant.

Nach einem Architektur-Wettbewerb soll bis dahin ein "Gebäude mit einer herausgehobenen modernen Architektur" gebaut werden. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Schneider, nennt das Zentrum "eines der wichtigsten Projekte für die Festigung der Deutschen Einheit und des Zusammenhalts in Europa".

Schätzungen gehen von einer Million Gäste pro Jahr aus. In dem Zentrum sollen rund 200 Arbeitsplätze entstehen.

Um aufzuklappen: Wer über das Zukunftszentrum entschieden hat

Teil der Jury, die sich in den vergangenen Wochen vor Ort ein Bild aller Bewerber-Städte gemacht hatte, waren unter anderem die frühere Stasi-Unterlagen-Beauftragte Marianne Birthler, die SPD-Politikerin Katrin Budde aus Sachsen-Anhalt, der Soziologe Raj Kollmorgen und der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

Weitere Mitglieder sind die FDP-Politikerin Cornelia Pieper, Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und die ehemalige DDR-Oppositionelle Ulrike Poppe.

Glückwünsche und Enttäuschung aus Sachsen und Thüringen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte, er sei als "Landesvater enttäuscht". Die Bewerbungen aus Jena und Eisenach hätten starke Elemente gehabt, sagte der Linken-Politiker dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Er respektiere aber die Entscheidung und sehe die Metropolregion Halle-Jena-Leipzig durch das Zentrum in Halle gestärkt.

Plauens Oberbürgermeister Steffen Zenner (CDU) versteht die Entscheidung der Jury nicht. Die Jury werde mit der Entscheidung für Halle ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht. Ziel sei es gewesen, das Zentrum im ländlichen Raum zu erbauen. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erklärte, man freue sich für Halle. Ganz Mitteldeutschland werde profitieren.

MDR (Marc Weyrich, Jörg Wunram, Luca Deutschländer, Lukas Schliepkorte, Julia Heundorf) | Zuerst veröffentlicht am 14.02.2023

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. Februar 2023 | 21:00 Uhr

229 Kommentare

Wessi am 16.02.2023

Daß so ein Zentrum wichtig ist, beweisen die Wahlergebnisse im Osten im Vergleich zu denen im Westen, aber auch demokratiefeindliche, da diskussionzerstörende Kommentare von @ Goldoeckchen, dem es vor allem darum geht, user,denen seine AfD-Meinung stinkt,quasi "mundtot" zu machen.Daß er dabei seiner eigenen Richtung erheblichst schadet, merkt er nicht.Wer nimmt sowas ernst?Oder die?Ein "dummer Junge" eben!Igno!Ein Zentrum+seine Forschungen könnte aufklären, warum gewisse Menschen im Osten so verbiestert sind.Wie sie selbst immer sagen, sind es nämlich offensichtlich Leute aus der "Mitte der Gesellschaft", wie man auch hier an vielen,mir durchaus kontroversen, Usern sehen kann, die sich bemühen,ernst genommen zu werden+einfach ins Gespräch,Streit-Gespräch zu kommen.Diskussionsstörung führt zu viel, aber nicht dazu,Gemeinsamkeiten zw.Ost+West zu "entdecken".Man muß sich,streitbar,respektieren.Eine Eigenschaft,die manchmal fehlt.Goldloeckchen:ein Gegenbeispiel!

Alexa007 am 16.02.2023

Wir transformatieren uns in Ostdeutschland gesellschaftlich doch gerade in die Vergangenheit, indem wir zunehmend Freude an "starken" totalitären Führern finden, die für uns denken. Eine wahrhaft ungewöhnliche Leistung und Erfahrung.

Bernd1951 am 16.02.2023

Hallo Anita L.,
um mein Wissen über Ereignisse in der Geschichte der beiden deutschen Staaten zu vertiefen, hätte ich gerne gewusst, auf welches Ereignis sich Ihre folgenden Worte beziehen:
"im Osten noch vor der Staatsgründung die ersten Panzer gegen die Bevölkerung fuhren"
Und nur noch als Beispiel eine Ergänzung zu Ihren Worten "durfte im westlichen Teil Deutschlands offen über all diese Schritte debattiert werden":
Es gibt nach wie vor in der Verfassung des Lands Hessen den "Sozialisierungsartikel 41", der am 01.12.1946 in einer Volksabstimmung mit 72% in Kraft gesetzt wurde und dessen Umsetzung von der Besatzungsmacht (USA) am 06.12.1948 verboten wurde. (Quelle: Wikipedia, Sozialisierungsartikel 41).
Wobei Sie natürlich recht haben, es wurde darüber debattiert und sogar demokratisch abgestimmt.

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