Beschluss Waldbrände im Harz: Kreistag gibt grünes Licht für eigenes Löschflugzeug

Der Landkreis Harz will der erhöhten Brandgefahr in seinen Wäldern mit einem eigenen Löschflugzeug begegnen. Zuletzt mussten Flieger aus Italien bei Löscharbeiten aushelfen. Nun hat der Kreistag den Weg für eine eigene Maschine freigemacht.

Löschflugzeug im Einsatz bei Brand in einem Waldgebiet in Barnabas, Griechenland
Das eigene Löschflugzeug für den Harz soll mindestens 2.000 Liter Wasser fassen können. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/ANE Edition

Der Harz soll bald über ein eigenes Löschflugzeug verfügen. Das hat der Kreistag des Landkreises Harz nach den Erfahrungen mit den zahlreichen Waldbränden im Sommer am Mittwoch entschieden. Mit dem Beschluss soll nun umgehend eine Ausschreibung auf den Weg gebracht werden, um noch in diesem Jahr einen geeigneten Anbieter für das Flugzeug zu finden.

Die Anforderungen sind eine ständige Bereitschaft des Fliegers im Frühling und Sommer und eine Traglast von mindestens 2.000 Litern Löschwasser. Außerdem müsse der Flieger innerhalb von 90 Minuten im Einsatz sein – auch jenseits des Harzkreises, so Landrat Thomas Balcerowski (CDU). Wie er bereits im Vorfeld der Kreistagssitzung erklärt hatte, gibt es schon einige Interessenten. Angaben zu den laufenden Kosten machte der Landrat mit Verweis auf das Ausschreibungsverfahren zunächst nicht.

Löschflugzeug im Harz: Kreis und Land zuletzt uneinig

Wegen der zahlreichen Brände im Harz hatte sich der Landkreis schon seit Längerem für ein eigenes Löschflugzeug eingesetzt. Denn für Feuerwehrleute am Boden gestalten sich die Löscharbeiten in dem unwegsamen Gelände oft schwierig.

Bereits im Juli hatte Balcerowski angekündigt, dass der Landkreis Harz wegen der Häufung von Waldbränden eine Ausschreibung ein eigenes Löschflugzeug vorbereite. Der Landesfeuerwehrverband unterstützte die Pläne von Anfang an. Doch sowohl beim Bund als auch beim Landesinnenministerium stieß der Vorschlag auf Ablehnung, Flugzeuge ausschließlich zur Brandbekämpfung anzuschaffen.

Land plötzlich für ehemaligen Agrarflieger

Anfang August ruderte das Land dann zurück. So habe das Ministerium für Inneres keine grundsätzlich ablehnende Haltung zu Löschflugzeugen, schrieb damals eine Sprecherin MDR SACHSEN-ANHALT. Überlegungen, auf kommunaler Ebene mit privaten Anbietern zu kooperieren, die ein propellergetriebenes ehemaliges Agrarflugzeug einsetzen wollten, das über eine Löschwasserkapazität von etwa 2.000 Litern verfüge und ortsnah stationiert sei, begrüßt das Ministerium nach eigenen Angaben sogar.

Auch hatte sich Sachsen-Anhalts Wirtschafts- und Forstminister Sven Schulze (CDU) jüngst für einen Stützpunkt der EU-weiten Löschflugzeugflotte in Deutschland ausgesprochen. In einem offenen Brief an EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen erklärte der CDU-Politiker: "Damit würden die Bekämpfung von Bränden aus der Luft (...) im gesamten mittel- und nordeuropäischen Raum vereinfacht, Wälder besser geschützt und Einsätze ressourcenschonender erfolgen können."

Scharfe Kritik von der Feuerwehr

Anfang September hatte es im Harz auf einer Fläche von etwa 160 Hektar gebrannt – wobei über die genaue Fläche zuletzt ein Streit ausgebrochen war. Unter anderem kamen zwei Löschflugzeuge aus Italien zum Einsatz. Es war der zweite Waldbrand innerhalb weniger Wochen. Die Feuerwehr kritisierte anschließend nicht ausreichende Brandschneisen und die Löschwasserversorgung scharf.

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MDR (Swen Wudtke, Daniel Salpius) | Erstmals veröffentlicht am 21.09.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. September 2022 | 05:00 Uhr

15 Kommentare

Horst Hessel vor 5 Tagen

Na hat doch geklappt, man kann es ja im Bedarfsfall auch ausleihen wenn nicht grad der eigene Wald brennt. Nervt auch das über solche Dinge ewig diskutiert wird anstatt zu Handeln. Wenn man heute durch den Harz fährt ist der Anblick wirklich beängstigend über die vielen kahlen und Totholzflächen.

Harka2 vor 5 Tagen

@ElBuffo
Ja, das wären sie. Während die Schneekatastrophe in Norddeutschland 1978/79 kamen massenhaft Mi-8-Hubschrauber der NVA zur Versorgung der Bevölkerung sowie für Krankentransporte zum Einsatz, für welche die Besatzungen nicht mal ausgebildet waren. In Stunden der Not hatten auch einige der Hilfskräfte den roten Stern als Hoheitsabzeichen. Die Sowjets halfen nicht nur bei der Kartoffelernte regelmäßig mit.

Harka2 vor 5 Tagen

@Basstian
Das ist in der Tat die sinnvollere Lösung. Ähnlich dem THW sollten republikweit einsetzbare Löschflugzeuge vorgehalten werden. Dass kann nicht die Sache eines Landkreises sein.

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