13. August, Dienstag: Die Katastrophe ist da

Um 03.00 Uhr beginnt die Evakuierung der Dresdner Friedrichstadt. Etwa drei Stunden später schießt die Weißeritz durch den Hauptbahnhof, überflutet Semperoper, Zwinger und Landtag. Die östliche Seevorstadt macht ihrem Namen alle Ehre. Der große Garten, aber auch Wiener Platz und Stadtgebiete östlich des Postplatzes stehen nunmehr komplett unter Wasser.

Morgens um 04.00 Uhr steht auch die Elbe in Dresden bei 6,65 Metern. Sie war also in einem Tag um mehr als einen Meter gestiegen. Doch aus Tschechien kündigt sich weitaus mehr an: Die Moldau hatte in Prag einen Durchfluss von mehr als 3.000 Kubikmetern pro Sekunde, mehr als das 20-fache ihres Normalwerts, Tendenz steigend. Im Raum Königstein tritt die Elbe schon über die Ufer. Im Lauf des Tages steigt der Elbe-Pegel in Dresden über sieben Meter. Überall in der Stadt werden Sandsäcke gefüllt, die Schulen bleiben zu, hunderte Patienten werden aus dem Krankenhaus Friedrichstadt geholt.

In Freital ist das Wasser jetzt durch gar nichts mehr aufzuhalten. Weitere Staustufen und Talsperren sind übergelaufen - die Weißeritz fließt, wohin sie will. Das Altenheim wird evakuiert.

Verkehrschaos in Dresden, Richtung Innenstadt geht kaum noch etwas. Doch auch elbnahe Vororte sind immer schwerer zu erreichen. Überschwemmt wird an diesem Morgen auch das Ufer von Laubegast. Hier erreicht das Wasser erste Gebäude, während der Lockwitzbach und der Flutgraben ihre Betten verlassen. Das Wasser strömt durch Leuben in Richtung Elbe. Teile von Dresden und auch Heidenau südlich der Elbe sind zerschnitten. Es gibt Stromausfälle. Die Gemälde werden aus den Kellerdepots des Zwingers geholt und ausgelagert.

Land unter in Grimma und Döbeln

Jahrhundertflut Grimma 2002 - Pöppelmannbrücke, überflutet (13.08.2002)
Die Pöppelmannbrücke in Grimma wird überspült - und dabei schwer beschädigt. Bildrechte: Stadt Grimma

Unterdessen frisst sich die Mulde unaufhaltsam durch Grimma. Viele Menschen müssen hier aus der Luft gerettet werden. Erste Häuser stürzen ein. Die Stadt war in der Nacht von den Fluten der Mulde überspült worden. Ein Schaden von rund 250 Millionen Euro entsteht hier. Die historische Pöppelmannbrücke wird schwer beschädigt, und es wird Jahre dauern, sie wieder aufzubauen.

Auch die Stadt Döbeln wird von der Freiberger Mulde schwer getroffen. Am späten Abend rettet hier der 21 Jahre alte Alexander Stiller den 30 Jahre älteren Hausmeister Hans-Rainer Kostial. Die beiden halten sich sieben Stunden lang an einem Laternenpfahl fest. Das kalte, reißende Wasser steht ihnen bis zum Hals. Immer wieder kommen Baumstämme, Mülltonnen und andere Gegenstände angeschossen. Zwei Bergungsversuche misslingen. Erst am nächsten Morgen gegen 06.00 Uhr werden sie erlöst.

Auch in anderen Teilen Sachsens sind Telefonnetz und Stromversorgung ausgefallen; und vor dem jetzt "Jahrhundertflut" genannten Hochwasser müssen noch rund 30.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.