14. August, Mittwoch: Warten auf die zweite Welle

Der Regen lässt nach, doch die Pegel der Elbe klettern weiter. Während ihre zweite Flutwelle auf Dresden zurollt, weiß niemand, wie hoch der Fluss nun noch steigen wird. Am Morgen stand der Pegel in Dresden bei 6,92 Metern, abends um 21.00 Uhr werden 7,05 Meter gemeldet. In der Nacht zuvor war die Moldau mit 5.000 Kubikmetern pro Sekunde durch Prag geflossen; die Pegel-Prognose für die Elbe bei Usti in Tschechien ist erschütternd: 12,50 Meter. Die Prognosen zum möglichen Pegel in Dresden liegen zwischen neun und zehn Metern. Der Normalwert liegt knapp unterhalb von zwei Metern.

Weitere Evakuierungsmaßnahmen in Dresden laufen an. Am Abend beginnt die Räumung der Universitätsklinik. Das Rudolf-Harbig-Stadion, das Heinz-Steyer-Stadion und das Eisstadion stehen komplett unter Wasser. Das Laubegaster Ufer ist größtenteils überflutet, überall werden jetzt Sandsäcke abgefüllt und aufgestapelt. Aus allen Teilen Deutschlands kommen Soldaten, Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und freiwillige Helfer.

An diesem Abend ist die Polizei in Elbnähe unterwegs und ruft dazu auf, höhere gelegene Gebiete aufzusuchen. Evakuierungen werden angeordnet, Hubschrauber kreisen über der Stadt, in der nachts nach weiteren Stromabschaltungen eine gespenstische Ruhe herrscht, untermalt nur vom Glucksen des Wassers und gelegentlich gestört vom Knattern der Helikopter. In der Nacht wird auch die Flutgrabenbrücke an der Wehlener Straße gesperrt, der Straßenbahnverkehr eingestellt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte an diesem Tag das Katastrophengebiet in Grimma besucht und Soforthilfe versprochen. In Berlin beschloss die Bundesregierung ein Zwölf-Punkte-Programm für die Opfer des Hochwassers mit Direkt-Hilfen von 100 Millionen Euro. Auch Sachsens Regierung beschließt Finanzhilfen. Schröder hat im Bundestagswahlkampf nun sein Thema gefunden. Er verspricht, es werde niemandem schlechter gehen als vorher.

Das Hochwasser hat inzwischen acht Todesopfer gefordert.