Überprüfen von Inhalten im Netz "Das ist journalistisches Grundhandwerk."

Für die Nachrichtenagentur dpa verifiziert Stefan Voß täglich Material aus dem Internet. Er prüft Fotos, Videos und andere Social-Media-Inhalte auf Echtheit und schafft es so, Fake News zu entlarven. Dabei helfen ihm verschiedene technische Tools. Im Interview verrät er, wie er bei seiner Arbeit vorgeht und warum diese Tools jeder Journalist beherrschen sollte.

von Johanna Kiesler

Teaserbild Stefan Voß
Bildrechte: MEDIEN360G

Gerade bei Großereignissen, wie einem Anschlag oder einer Naturkatastrophe, werden Agenturen und Journalisten häufig mit einer Masse an Bildern und Informationen überschüttet. Doch längst nicht alle sind echt. Durch Fehler und Missverständnisse, aber auch durch bewusste Manipulation gelangt leicht gefälschtes, altes oder irreführendes Material in Umlauf.

Um solche Fotos, Videos, Tweets und andere Inhalte, die im Netz kursieren, schnell auf Echtheit überprüfen zu können, hat die Nachrichtenagentur dpa einen eigenen Bereich gegründet. Diesen leitet Stefan Voß als "Verification Officer". Bei der Entscheidung, was wahr und was "gefaked" ist, helfen ihm nicht nur seine journalistische Berufserfahrung, sondern auch einige technische Möglichkeiten. Diese stehen jedem Internetnutzer zur Verfügung, und gerade Nachrichtenjournalisten sollten sie seiner Meinung nach unbedingt kennen.

Wichtigstes Tool – die Bilder-Rückwärtssuche

Eine sehr einfache Möglichkeit zur Überprüfung sei die Bilder-Rückwärtssuche, sagt Stefan Voß. Damit ließe sich herausfinden, ob Fotos, die mit einem Ereignis in Verbindung gebracht werden, schon in einem anderen Zusammenhang, an einem anderen Ort oder zu einem früheren Zeitpunkt gepostet wurden. Im Google-Chrome-Browser funktioniere das zum Beispiel mit einem Rechtsklick auf ein Bild und der Auswahl der Option "Mit Google nach Bild suchen".

Auch die Seite TinEye erfülle diesen Zweck. Hier lasse sich ein Bild hochladen und das Programm suche dann nach ähnlichen Bildern im Internet. Für Videos eigne sich der Youtube DataViewer von Amnesty International. Dieses Tool erstelle Thumbnails, also Standfotos aus den Videos und versucht, diese zum Ursprung zurückzuverfolgen.

Wissen, was andere wissen

Besonders in Situationen, in denen es schnell gehen muss, lohne es sich, genau zu wissen, was andere wissen, sagt Voß. Dabei könne zum Beispiel die Seite Dataminr helfen. Diese melde virale Inhalte und Ereignisse, die von vielen Menschen besprochen werden, oft lange bevor etwas in den Nachrichten auftauche. Eine ähnliche Funktion erfülle Crowdtangle, ein Tool, dass bei der Beobachtung sozialer Netzwerke helfen könne. Damit ließen sich Rankings erstellen und Trends im Blick behalten. Auch könne man darüber gut beobachten, was andere Medien in den sozialen Netzwerken teilen und wie stark die Reaktionen ausfallen.

Ein gut sortiertes Tweetdeck könne ebenfalls helfen, in der Masse der Twitter-Meldungen den Überblick zu behalten.

Immer kritisch sein

Selbst wenn Fotos vorher noch nicht hochgeladen wurden, können sie trotzdem aus einem anderen Kontext bzw. von einem früheren Zeitpunkt stammen. Um das zu überprüfen, helfe zum Beispiel Geolokalisierung, also der Vergleich mit aktuellem Kartenmaterial. Auch die Frage, ob das Wetter an diesem Ort zum angegebenen Zeitpunkt tatsächlich so war, ob Sonnenstand und Schatten passen, kann Einiges verraten. Bei Twitter sollte man einen Blick auf den Veröffentlichungszeitpunkt haben und ob derjenige, der ein Foto postet, überhaupt einen Bezug zu Ort und Thema habe.

Bei der Verifikation selbst helfe dann ganz einfach oft das typischste journalistische Mittel: Das Telefon. Um beispielsweise zu überprüfen, ob ein Foto, auf dem am Rande eine Baustelle zu sehen ist, aktuell ist, könne man mit Hilfe von Google Maps herausfinden, welches Geschäft sich gegenüber befinde. Und dann einfach mal in dem Geschäft anrufen, um zu fragen, ob gerade auf der anderen Straßenseite gebaut werde, rät Stefan Voß.

Die Suche nach dem Original

Grundsätzlich gelte es herauszufinden, woher ein Video oder Foto ursprünglich komme, wer das Original hochgeladen bzw. aufgenommen habe. Oft sei dies aber nicht möglich. Sei die Quelle nicht zu verifizieren, müsse man immer misstrauisch sein und im Zweifel auf eine Veröffentlichung verzichten.

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2018, 10:20 Uhr