Russland-Ukraine-Krieg Ticker vom Donnerstag: Netzagentur warnt vor Verdreifachung beim Gaspreis

Die Bundesnetzagentur warnt wegen geringerer russischer Gaslieferungen vor einer möglichen Verdreifachung der Verbraucherpreise. Das EU-Parlament befürwortet das Auffüllen der Gasspeicher zu 80 Prozent. Bundeswirtschaftsminister Habeck ruft die Gas-Alarmstufe aus. Aus Sicht von Energieexpertin Claudia Kemfert sollten ab sofort keine neuen Gasheizungen mehr eingebaut werden. Die aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Ticker.

Aus Wut zerknüllt ein Mann seine Gasrechnung.
Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, rechnet mit weiter steigenden Gaspreisen und warnt vor einer Verdreifachung. Bildrechte: imago/Petra Schneider

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

23:55 Uhr | USA sagen weitere Waffen für 450 Millionen Dollar zu

Vor dem G7-Gipfel in Deutschland haben die USA weitere Waffenlieferungen an die Ukraine im Umfang von 450 Millionen Dollar angekündigt. Dazu gehörten auch Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesysteme und Patrouillenboote, sagte ein hochrangiger Vertreter des Weißen Hauses in Washington.

Die USA haben dem von Russland angegriffenen Land in den bisherigen vier Kriegsmonaten nach eigenen Angaben Waffen und Ausrüstung im Wert von rund 6,1 Milliarden US-Dollar (5,8 Milliarden Euro) zugesagt oder bereits geliefert. US-Präsident Joe Biden reist an diesem Samstag zum G7-Gipfel, der von Sonntag bis Dienstag im Schloss Elmau in Bayern stattfindet

22:56 Uhr | Netzagentur rechnet nicht mit Pleiten von Stadtwerken

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, rechnet "Stand heute" nicht mit Pleiten von Stadtwerken. Die Lage sei angespannt, die Gasversorgung aber noch stabil, sagt er im ZDF.

22:00 Uhr | Bundestag beschließt Grundlage für Agrar-Finanzspritze

Die angekündigte Krisenhilfe für Landwirte, die unter den finanziellen Folgen des Ukraine-Kriegs leiden, ist ein Stück näher gerückt. Der Bundestag regelte am Abend die gesetzlichen Grundlagen. "Damit ist eine wichtige Hürde genommen, dass das Geld zielgerichtet und unbürokratisch auf den Höfen ankommt", sagte Agrarminister Cem Özdemir (Grüne). Jetzt muss noch der Bundesrat zustimmen, damit die zugesagte Summe von 180 Millionen Euro fließen kann.

Landwirtschaftsbetriebe können dann bis zu 15.000 Euro erhalten, um drastisch gestiegene Kosten etwa für Dünger und Sprit abzufedern. Das Geld soll spätestens bis Ende September ausgezahlt sein. Ein Drittel der Summe wird von der EU zur Verfügung gestellt, der Rest kommt vom Bund.

21:53 Uhr | Habeck: Völliger Lieferstopp Russlands zu befürchten

Wirtschaftsminister Robert Habeck hält es für möglich, dass Russland nach dem Wartungsintervall der Gaspipeline Nord Stream 1 gar kein Gas mehr liefert. Auf die entsprechende Frage sagte er laut Vorabmeldung im RTL Nachtjournal: "Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich befürchte es nicht." Das Argument technischer Probleme sei vorgeschoben, es handele sich um eine politische Maßnahme aus Moskau. "Und wer weiß schon, was die nächste politische Maßnahme ist. Also, sorgenfrei bin ich da nicht."

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, dass sich die Gasrechnungen verdreifachten, sagte Habeck: "Das ist nicht auszuschließen (...) ja, das ist im Bereich des Möglichen." Es komme eine Preiswelle auf Deutschland zu, die faktisch nicht mehr abzuwenden sei.

21:27 Uhr | Scholz gratuliert Ukraine und Moldau

Bundeskanzler Olaf Scholz hat der Ukraine und Moldau zur Aufnahme in den Kreis der EU-Beitrittskandidaten gratuliert. "27 Mal Ja!", schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. "Der Europäische Rat begrüßt zwei neue Beitrittskandidaten zur EU. Auf gute Zusammenarbeit in der europäischen Familie!" Zuvor hatten sich die Staats- und Regierungschefs in Brüssel einstimmig dafür ausgesprochen, die beiden Länder zu Beitrittskandidaten zu erklären. Scholz hatte schon Tage vor der Entscheidung bei einem Besuch in Kiew dafür geworben.

20:49 Uhr | Selenskyj: "Historischer Moment"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den EU-Kandidatenstatus für sein Land begrüßt. Der Schritt sei ein einzigartiger und historischer Moment in den bilateralen Beziehungen, twitterte Selenskyj.

Update 20:35 Uhr | Ukraine erhält EU-Kandidatenstatus

Die Ukraine ist in den Kreis der EU-Beitrittskandidaten aufgenommen worden. Wie EU-Ratspräsident Charles Michel mitteilte, beschlossen die Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel in Brüssel außerdem, auch Moldau den Status eines EU-Kandidaten zu gewähren. Die Beratungen hatten sich zunächst länger hingezogen als erwartet. Nach Angaben mehrerer EU-Diplomaten forderten Länder wie Österreich und Slowenien mehr Zugeständnisse an die Westbalkan-Länder. Diese hatten sich nach einem vorausgegangenen Spitzentreffen enttäuscht über mangelnde Fortschritte geäußert. Insbesondere Bosnien-Herzegowina solle möglichst bald den Kandidatenstatus bekommen.

20:10 Uhr | Netzagentur warnt vor Verdreifachung beim Gaspreis

Die Bundesnetzagentur hält eine Verdreifachung der Verbraucherpreise für Gas für möglich. Präsident Klaus Müller sagte den Sendern RTL/ntv, es komme sehr darauf an, wie geheizt werde und wie das Gebäude gebaut sei. Seit Russland Lieferungen drossele, sei das Preisniveau nochmals um 50 Prozent gestiegen. Viele Importeure würden das gerne weitergeben. Dazu müsste allerdings die sogenannten "Preisanpassungsklausel" aktiviert werden. Darauf hat die Bundesregierung bislang verzichtet. Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte heute wegen der stark gesunkenen Liefermengen aus Russland die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen.

Die Energiewirtschaft kann derzeit nicht sagen, wie sich das Ausrufen der Gas-Alarmstufe auf die Verbraucherpreise auswirken wird. Die Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Kerstin Andreae, sagte, das lasse sich derzeit nicht genau abschätzen. Klar sei aber, dass aufgrund des hohen Börsenpreisniveaus der Druck auf die Gaspreise steigen werde.

18:34 Uhr | Frankreich deckelt Gaspreise bis Jahresende

Frankreich deckelt seine Gaspreise für private Haushalte bis zum Jahresende. Premierministerin Élisabeth Borne, sagte die bereits geltende Regelung werde verlängert. Die Verbraucher könnten weiter mit einem stabilen Gaspreis kalkulieren. Der Staat übernehme die Differenz zum tatsächlichen Marktpreis. Borne kündigte außerdem an, dass die Erdgasspeicher des Landes bis zum kommenen Herbst zu annähernd 100 Prozent gefüllt werden sollten. Mit Milliardenaufwand deckelt Frankreich auch die Strompreise für Verbraucher. Deren Anstieg ist dadurch in diesem Jahr auf vier Prozent begrenzt.

18:00 Uhr | Unesco beklagt Zerstörung von Kulturstätten in der Ukraine

In der Ukraine sind seit Russlands Überfall nach UN-Angaben 152 Kulturstätten ganz oder teilweise zerstört worden. Wie die Unesco mitteilte, sind darunter 70 Kirchen und Kultgebäude, 30 historische Bauten, 18 Kulturzentren, 15 Denkmäler, zwölf Museen und sieben Bibliotheken. Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay forderte, solche Orte von den Kämpfen zu verschonen. Kulturerbe jeder Art dürfe unter keinen Umständen zum Ziel von Angriffen werden, sagte sie unter Verweis auf die Haager Konvention. Die UN-Einrichtung unterstützte nach eigenen Angaben ukrainische Fachleute und Behörden bei der Sicherung von Kulturgütern sowie bei der Kennzeichnung schutzwürdiger Gebäude mit dem Emblem der Haager Konvention, dem "Blauen Schild".

17:35 Uhr | EU-Gipfel berät über Kandidatenstatus für Ukraine

In Brüssel hat der EU-Gipfel zur Beitrittskandidatur der Ukraine und der Republik Moldau begonnen. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte zum Auftakt, man werde sich erneut solidarisch mit der Ukraine zeigen. Er sprach von einem historischen Treffen. Zugleich mahnte er Reformen der Europäischen Union an, um die Aufnahme neuer Mitglieder zu erleichtern. Dazu gehöre der Übergang von der Einstimmigkeit zu Mehrheitsentscheidungen. Vor allem kleinere Mitgliedstaaten sperren sich allerdings dagegen.

17:10 Uhr | Selenskyj kritisiert Israels Haltung gegenüber Russland

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Israels Weigerung kritisiert, wegen des Ukraine-Krieges Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Selenskyj sagte in einer an Studierende der Hebräischen Universität Jerusalem gerichteten Videoansprache, er könne die Haltung Israels gegenüber Russland nur schwer verstehen. Er kritisierte auch die Weigerung Israels, Waffen an die Ukraine zu liefern. Die israelische Regierung und Hilfsorganisationen des Landes haben humanitäre und medizinische Hilfe geleistet.

15:55 Uhr | Verurteilter russischer Soldat legt Berufung ein

Der im ersten ukrainischen Kriegsverbrecherprozess zu lebenslanger Haft verurteilte russische Soldat geht dagegen vor. Der 21-Jährige habe Berufung eingelegt, sagte sein Anwalt heute der ukrainischen Nachrichtenseite 24tv. Ein Gericht in der Hauptstadt Kiew hatte es vor einem Monat als erwiesen angesehen, dass der Panzersoldat am 28. Februar, vier Tage nach Beginn des Kriegs, einen unbewaffneten 62 Jahre alten Zivilisten erschossen hat. Der Soldat hatte ein Geständnis abgelegt.

15:52 Uhr | Nike verlässt Russland endgültig

Der US-Sportartikelhersteller Nike zieht sich endgültig aus Russland zurück. Der Konzern erklärte heute, die zunächst vorübergehend geschlossenen 116 Filialen würden nicht mehr öffnen. Auch online seien Käufe für Menschen in Russland nicht mehr möglich. Bereits aufgegebene Bestellungen würden erstattet.

15:28 Uhr | US-Mehrfachraketenwerfer in der Ukraine eingetroffen

Die USA haben der Ukraine Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars geliefert. "Die Himars sind in der Ukraine eingetroffen", schrieb der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow heute auf Twitter. Er dankte seinem US-Kollegen Lloyd Austin "für diese mächtigen Werkzeuge" und veröffentlichte Fotos der Raketenwerfer. Die mobilen Maschinen können mehrere präzisionsgelenkte Raketen gleichzeitig auf Ziele in bis zu 80 Kilometern Entfernung abfeuern. US-Präsident Joe Biden hatte erklärt, die Himars-Raketenwerfer machten es möglich, mit größerer Präzision Ziele auf dem Schlachtfeld in der Ukraine zu treffen. Die ukrainische Armee werde aber damit nicht ermutigt oder in die Lage versetzt, jenseits ihrer Grenzen zuzuschlagen.

15:08 Uhr | EU-Parlament befürwortet Auffüllen der Gasspeicher zu 80 Prozent

Die Gasspeicher in der EU können bis zum kommenden Winter zu 80 Prozent aufgefüllt werden. Das EU-Parlament stimmte dieser Vorgabe heute zu. Die Mindestfüllstände waren im März wenige Wochen nach Ausbruchs des Kriegs in der Ukraine von der EU-Kommission vorgeschlagen worden. Im Mai einigten sich Vertreter der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments darauf.

Geplant ist, dass die nationalen Gasspeicher in den EU-Ländern zum 1. November vorsorglich zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein müssen, in den Folgewintern sogar zu 90 Prozent. Damit sollen Engpässe verhindert werden, für den Fall, dass Russland den Gashahn zudreht.

Deutschland hat schon vorgearbeitet: Hier ist es bereits beschlossene Sache, dass die Gasspeicher zum 1. Oktober zu 80 Prozent und zum 1. November zu 90 Prozent befüllt sein müssen.

13:52 Uhr | Menschenhändler nehmen im Internet Geflüchtete ins Visier

Menschenhändler suchen nach Angaben von Europol im Internet aktuell gezielt nach ukrainischen Geflüchteten. Europäische Ermittler hätten bei einem Aktionstag in 14 Ländern auf 42 Online-Plattformen verdächtige Angebote entdeckt, teilte die Europäische Polizeibehörde heute in Den Haag mit. Die Ermittler fanden demnach auf vielen Foren verdächtige Aktivitäten, auch in russischer Sprache. So würden etwa gezielt ukrainische Frauen mit dubiosen Arbeitsangeboten gelockt. Europol nannte etwa Foto-Shootings oder Versprechen einer "strahlenden Zukunft", wohinter aber die Gefahr von sexueller Ausbeutung drohe.

Die Ermittler hatten bei dem Aktionstag Ende Mai 125 Online-Plattformen überprüft, darunter auch Foren mit Hilfs- und Arbeitsangeboten für Flüchtlinge, Dating-Seiten sowie Plattformen für Sex-Dienste. Europol zufolge wurden 15 Untersuchungen gestartet. Neun Personen seien als Verdächtige identifiziert worden sowie neun mögliche Opfer gefunden worden.

13:44 Uhr | Hoffnung auf Gespräche über Ende von Getreide-Blockade

Russland hält seit Wochen Millionen Tonnen an Getreide in der Ukraine zurück – die Verhandlungen über einen Stopp der Blockade scheinen nun Fortschritte zu machen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist UN-Generalsekretär António Guterres zu einem Treffen mit den Konfliktparteien bereit, möglicherweise schon in der kommenden Woche. Die Gespräche zwischen den Vertretern beider Länder befänden sich an einem Punkt, an dem der UN-Chef direkt mit Russen und Ukrainern verhandeln würde, um einen Deal ins Trockene zu bringen. Allerdings: Eine Einigung zur Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer gebe es bislang nicht.

Kiew beklagt, dass die russische Kriegsmarine die ukrainischen Häfen im Schwarzen Meer versperre. Konkret geht es um die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine vor allem nach Nordafrika und Asien, ein Großteil davon liegt im Hafen von Odessa. Zu spüren bekommt das gegenwärtig zum Beispiel Somalia, wo die UN vor einer riesigen Hungerkatastrophe warnen. Das afrikanische Land bezieht 50 Prozent seiner Weizenimporte aus der Ukraine, 35 Prozent aus Russland.

13.32 Uhr | Kreml besteht auf all seinen Forderungen

Vier Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine besteht der Kreml mit Blick auf mögliche künftige Verhandlungen auf seinen bisherigen Forderungen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, ein Friedensplan sei möglich, wenn die Ukraine alle Bedingungen der russischen Seite erfüllt habe.

Dmitri Peskow
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow Bildrechte: imago images/SNA

Welche das sind, sagte Peskow nicht, sondern meinte nur, die Ukraine kenne sie alle. Die zu Beginn des Kriegs öffentlich genannten Forderungen bestanden unter anderem in der Anerkennung der ostukrainischen Separatistengebiete Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten sowie der Anerkennung der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisches Staatsgebiet.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte seinerseits vor Kurzem erklärt, man wolle die Krim und alle seit Ende Februar besetzten Gebiete zurückerobern. Offizielle Verhandlungen über einen Friedensschluss zwischen Moskau und Kiew hatte es zuletzt Ende März in Istanbul gegeben.

13:20 Uhr | Energieexpertin Kemfert: Keine neuen Gasheizungen mehr einbauen

Aus Sicht von Energieexpertin Claudia Kemfert sollten ab sofort keine neuen Gasheizungen mehr eingebaut werden. Eine Abwrackprämie für alte Gasheizungen sei ebenso sinnvoll wie ein Wärmepumpen-Sofortprogramm, sagte die Wissenschaftlerin vom Institut für Wirtschaftsforschung der Funke-Mediengruppe. Der Ausbau erneuerbarer Energien und das Energiesparen seien die wichtigsten Hebel, um die Gaslücke zu stopfen. Industrie und Haushalte sollten zudem Prämien fürs Gassparen zu zahlen. Die Förderung der Gas-Kraftwärmekopplung sei dagegen absurd, findet Kemfert.

12:14 Uhr | London verhängt weitere Sanktionen

Großbritannien verhängt weitere Sanktionen gegen Russland. In einer an Exporteure gerichteten Mitteilung der Regierung werden mehrere neue Maßnahmen aufgeführt. Dazu gehören unter anderem Exportverbote für eine Reihe von Technologieprodukten, Flugzeugtreibstoff sowie Banknoten in Pfund Sterling oder EU-Währungen.

11:26 Uhr | Alle EU-Institutionen erteilen russischen Lobbyisten Hausverbot

Nach dem Europäischen Parlament haben nun auch die anderen EU-Institutionen russischen Lobbyisten Hausverbot erteilt. Das Zutrittsverbot für Vertreter russischer Firmen gelte auch in der Europäischen Kommission und im Europäischen Rat, sagte ein EU-Beamter am Donnerstag vor dem Beginn des EU-Gipfels in Brüssel. Damit werden die wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gegen Russland verhängten EU-Sanktionen weiter umgesetzt.

Update 11:02 Uhr | Habeck ruft Gas-Alarmstufe aus

Die Bundesregierung hat die zweite Krisenstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Gas ist nach Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck "von nun an ein knappes Gut in Deutschland", die Versorgungssicherheit aber gesichert. Dennoch ruft der Grünen-Politiker erneut alle Verbraucher — Industrie wie Privathaushalte — zum Sparen auf. Dabei sollten mit Hinblick auf den Winter auch Heizungen gewartet werden.

09:23 Uhr | Kiewer Politologe: "Die Ukraine hat den EU-Kandidatenstatus verdient"

Beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag wird die Ukraine vermutlich den Status eines EU-Beitrittskandidaten erhalten. Der Politologe Oleksij Haran ist Professor an der Kiew-Mohyla-Akademie und sagte dem MDR: "Seit der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens 2014 haben wir jedoch einen Riesenschritt nach vorn gemacht, es liegen Universen zwischen damals und heute. Die Entscheidung für den Kandidatenstatus wäre kein Vorschuss für Kiew, sondern absolut verdient."

09:09 Uhr | Habeck will offenbar zweite Stufe des Notfallplans Gas ausrufen

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck wird einem Insider zufolge am Donnerstag die sogenannte Gas-Alarmstufe ausrufen. Eine Sprecherin des Ministeriums wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Für 10.00 Uhr ist eine Pressekonferenz mit dem Grünen-Politiker geplant. Dabei soll es um das Thema Energie und Versorgungssicherheit gehen.

Die Bundesnetzagentur wird nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters trotz der erwarteten Ausrufung der Gas-Alarmstufe durch Habeck am Donnerstag noch nicht die Preisanpassungsklausel aktivieren, mit der Versorger höhere Preise direkt an ihre Kunden weiterreichen könnten.

07:42 Uhr | Erobertes Gebiet um Region Luhansk wird größer

Russische Truppen haben nach ukrainischen Angaben in der Nähe der strategisch wichtigen Städte Lyssytschansk und Sjewjerodonezk zwei weitere Ortschaften erobert. Das teilt der Gouverneur der ostukrainischen Region Luhansk, Serhij Hajdaj, mit. Lyssytschansk und Sjewjerodonezk stehen im Mittelpunkt der russischen Offensive im Osten der Ukraine.

04:28 Uhr | US-Kreise: Mehrfachraketenwerfer nun in der Ukraine

Vier hochmoderne Mehrfachraketenwerfer sind Wochen nach deren Bereitstellung durch die USA inzwischen in der Ukraine und in den Händen der dortigen Truppen. Dies teilte ein Mitarbeiter im Pentagon mit. Ob die Raketensysteme schon zum Einsatz gekommen seien, sei noch unklar.

Ein mobile US-Artillerie-Einheit feuert eine Rakete ab.
Ein mobile US-Artillerie-Einheit vom Typ Himars feuert eine Rakete ab. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Die Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars sollen den Ukrainern mehr Präzision ermöglichen, wenn sie russische Truppen und Stellungen aus größerer Entfernung ins Visier nehmen. Die Raketensysteme haben in der Regel eine Reichweite von rund 70 Kilometern.

03:59 Uhr | Ukraine: Zehn Tote bei russischem Beschuss von Charkiw

Russische Truppen haben den Beschuss der Stadt Charkiw und umliegender Ortschaften nach ukrainischen Angaben fortgesetzt und dabei zehn Menschen getötet. Unter den Toten seien fünf Frauen im Dorf Pryschyb, teilte Gebietsgouverneur Oleh Synjehubow mit. Die russischen Truppen rückten im Gebiet rund um Pryschyb mit dem Ziel vor, nach Slowjansk vorzustoßen, einer von der Ukraine kontrollierten Stadt im Industriegebiet Donbass im Osten der Ukraine. Charkiw ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine und liegt im Nordosten des Landes.

02:50 Uhr | Bewegung bei Verhandlungen zu russischer Getreideblockade

Die Verhandlungen zum Durchbrechen der russischen Getreide-Blockade in der Ukraine machen offenbar Fortschritte. UN-Sicherheitsratskreise bestätigten der Nachrichtenagentur dpa die Möglichkeit eines Treffens der Konfliktparteien zusammen mit UN-Generalsekretär António Guterres in der Türkei - womöglich schon in der kommenden Woche. Die Gespräche befänden sich an einem Punkt, an dem der UN-Chef direkt mit Russen und Ukrainern verhandeln würde, um einen Deal ins Trockene zu bringen.

Diplomaten in New York warnten aber auch vor zu viel Optimismus: Bislang gebe es keine Einigung zur Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Das Misstrauen zwischen Moskau und Kiew sei nach wie vor sehr groß und es gebe weiter eine Reihe Hürden bei den Verhandlungen.

02:07 Uhr | G7 wollen Druck auf Russland und China erhöhen

Die G7-Staaten und das NATO-Bündnis werden US-Insidern zufolge bei den Gipfeltreffen kommende Woche den Druck auf Russland wegen des Krieges in der Ukraine erhöhen und ihre anhaltende Besorgnis über China untermauern. "Auf dem Gipfel werden wir eine Reihe konkreter Vorschläge unterbreiten, um den Druck auf Russland zu erhöhen und unsere gemeinsame Unterstützung für die Ukraine zu demonstrieren", sagte ein mit der Angelegenheit vertrauter US-Regierungsbeamter. Die Auswirkungen des Krieges auf die Energie- und Lebensmittelpreise werden ein weiterer Schwerpunkt sein.

01:45 Uhr | Microsoft: Russland verstärkt Hackerangriffe auf Ukraine-Unterstützer

Russische Hacker greifen nach Erkenntnissen von Microsoft in großem Stil westliche Verbündete der Ukraine an. Sie nähmen insbesondere Regierungscomputer in Nato-Ländern ins Visier, warnte der Software-Konzern. Ziel Nummer eins seien die USA. Seit dem russischen Einmarsch habe man Hackerangriffe auf 128 Organisation in 42 Ländern festgestellt. Bei fast jedem dritten Angriff sei es den russischen Hackern gelungen, in die Netzwerke einzudringen. Dabei hätten sie öfter nachweislich Daten abschöpfen können.

01:42 Uhr | EU-Gipfel entscheidet über EU-Kandidatenstatus

Die EU entscheidet heute, ob die Ukraine den Status eines EU-Beitrittskandidaten bekommt. Vor dem Gipfel-Treffen in Brüssel zeichnete sich dafür eine breite Unterstützung ab. Eine Entscheidung muss jedoch einstimmig von allen 27 Staaten getroffen werden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte kurz vor Beginn des Treffens, das Verfahren zur Aufnahme von Ländern wie der Ukraine gründe auf Leistung. Dabei müsse man aber auch die Leidenschaft und den Fortschritt berücksichtigen. Kanzler Olaf Scholz hatte gestern den Vorschlag der EU-Kommission unterstützt. Danach soll die von Russland angegriffene Ukraine ebenso wie Moldau den Status bekommen, der die erste Stufe in einem langwierigen Beitrittsprozess darstellt.

01:39 Uhr | Getreidelager in Mykolajiw laut Betreibern bombardiert

Am Hafen der ukrainischen Stadt Mykolajiw sind laut den Betreibern zwei Getreidelager-Terminals durch Russland bombardiert worden. Bei dem Angriff auf eines der Hafenterminals sei ein Mensch leicht verletzt worden, sagte ein Sprecher des Konzerns Viterra. Zwei Silos seien in Brand geraten, ein drittes sei beschädigt worden. Das Viterra-Terminal hat eine Lagerkapazität von 160.000 Tonnen und umfasst unter anderem auch eine Produktionsstätte für Pflanzenöl. Das Ausmaß der Schäden am zweiten Terminal, das vom Konzern Bunge betrieben wird, war nach Unternehmensangaben unklar.

Die Häfen von Mykolajiw und Odessa werden seit Kriegsbeginn von russischen Truppen blockiert. Agrar-Exporte auf dem Seeweg sind nicht mehr möglich.

00:55 Uhr | Russischer Außenminister zu Gesprächen im Iran

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hält sich seit gestern zu Gesprächen über eine verstärkte Zusammenarbeit im Iran auf. Wie Iribnews, die Website des Staatsfernsehens, berichtete, traf Lawrow zunächst mit Präsident Ebrahim Raisi zusammen. Bei seinem zweitägigen Besuch werde Lawrow mit Vertretern der iranischen Führung "das Atomabkommen, die Lage in der Ukraine, in Syrien und in Afghanistan, die Stärkung der Zusammenarbeit in den Bereichen Handel und Energie sowie die Entwicklung der Zusammenarbeit in der eurasischen Region und im Kaukasus erörtern", schrieb Iribnews.

Die beiden von internationalen Sanktionen betroffenen Länder hatten sich zuletzt darauf verständigt, ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Energie und Handel auszubauen.

00:00 Uhr | Ticker am Donnerstag, 23. Juni 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem aktuellen Stand. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juni 2022 | 06:00 Uhr

Mehr Politik in Osteuropa

Mehr aus Osteuropa

Barrierefreiheit

Eine Frau geht durch das Einkaufs- und Freizeitzentrum Aviapark. mit Video
Einkaufen wie vor dem Krieg: Shoppen im Moskauer Einkaufs- und Freizeitzentrum Aviapark. Bildrechte: IMAGO/ITAR-TASS