Russland-Ukraine-Krieg Ticker: Ukrainische Armee verkündet Rückzug aus Lyssytschansk

Die ukrainische Armee hat ihren Rückzug aus der Stadt Lyssytschansk verkündet. Zuvor hatte sie und Präsident Selenskyj eine von der russischen Seite verkündete Einnahme der Stadt noch bestritten. Bundeskanzler Scholz hat der Ukraine die nötigen Waffen im Kampf gegen Russland zugesichert. Bei Raketenangriffen auf die russische Stadt Belgorod soll es Tote gegeben haben. Aktuelle Nachrichten zum Ukraine-Krieg im News-Ticker.

Trümmer auf einer Straße in Lyssytschansk
Trümmer auf einer Straße in Lyssytschansk: Jetzt hat auch die Ukraine den Verlust der Stadt eingeräumt. Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:15 Uhr | Kanzler Scholz sieht in hohen Energiepreisen "sozialen Sprengstoff"

Lebensmittel und Energie werden immer teurer. "Ich mache mir große Sorgen darüber", sagt Bundeskanzler Olaf Scholz im ARD-Sommerinterview: "Das ist sozialer Sprengstoff". Im Kanzleramt wird am Montag über weitere Entlastungen beraten. Mehr dazu im folgenden Video.

19:45 Uhr | Ukrainische Armee verkündet Rückzug aus Lyssytschansk

Die ukrainische Armee hat ihren Rückzug aus der Stadt Lyssytschansk verkündet. "Um das Leben der ukrainischen Verteidiger zu schützen, wurde die Entscheidung getroffen, sich zurückzuziehen", teilte der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte in einer Erklärung mit. Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Angaben Russlands zur vollständigen Einnahme der Stadt noch zurückgewiesen.

Der Generalstab verwies in seiner Erklärung auf die zahlenmäßige und materielle Überlegenheit der russischen Armee. Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor erklärt, mit der Einnahme der strategisch wichtigen Stadt sei die gesamte Donbass-Region Luhansk "befreit" worden. Die ukrainische Armee hatte dies zunächst dementiert.

19:09 Uhr | Scholz erteilt Tempolimit klare Absage

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich mit Verweis auf den Koalitionsvertrag klar gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. Das sagte der SPD-Politiker in der ARD. Zuletzt hatte es wegen der Energiekrise solche Forderungen gegeben. Mehr dazu im folgenden Artikel.

19:04 Uhr | Australien verbietet Goldimporte aus Russland

Australien will Goldimporte aus Russland verbieten. Außerdem wolle man der Ukraine 34 zusätzliche Panzerfahrzeuge liefern, teilte der australische Ministerpräsident Anthony Albanese bei einem Besuch in Kiew mit. Zudem versprach er, Australien werde gegen weitere 16 russische Minister und Oligarchen Sanktionen und Reisebeschränkungen verhängen.

19:01 Uhr | Scholz verteidigt Gaslieferverträge mit Katar

Bundeskanzler Olaf Scholz hat die angepeilten Gas-Lieferverträge mit Katar verteidigt. Es sei richtig, mit dem Golfstaat entsprechende Verhandlungen zu führen, sagt er in der ARD. "Wenn wir uns diversifizieren wollen, brauchen wir viele Lieferanten - auch dieses Land", fügt der SPD-Politiker mit Blick auf den geplanten Ausstieg aus russischen Gaslieferungen hinzu. Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen hatte Gespräche in Katar geführt. Das Emirat ist einer der weltweit größten LNG-Produzenten. Dem Staat am Persischen Golf werden aber Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

17:18 Uhr | Russland droht, Botschaft in Sofia komplett zu schließen

Russland hat 70 Diplomaten und andere Beschäftigte seiner Botschaft in Bulgarien zurückgeholt, die aus dem EU-Land ausgewiesen wurden. Zusammen mit ihren Familien verließen sie in zwei Sonderflugzeugen die Hauptstadt Sofia. Die Diplomaten waren vom bulgarischen Außenministerium zu "unerwünschten Personen" erklärt worden. Russland droht deshalb damit, seine Botschaft in Sofia komplett zu schließen. Das wäre innerhalb der Europäischen Union einmalig. Bulgarien hatte die Ausweisung mit geheimdienstlichen Tätigkeiten begründet.

15:43 Uhr | Scholz sichert Ukraine Waffen und Garantien gegen Russland zu

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)
Scholz im ARD-Interview: "Wir liefern, was in der gegenwärtigen
Auseinandersetzung notwendig ist."
Bildrechte: dpa

Die Ukraine erhält nach Angaben von Bundeskanzler Olaf Scholz die für den Kampf gegen Russland nötigen Waffen. Man liefere das, was in der gegenwärtigen Auseinandersetzung nötig sei, sagte der SPD-Politiker in der ARD. "Wir werden die Ukraine so lange unterstützen, wie das erforderlich ist." Eine von Russland geforderte bedingungslose Kapitulation sei ebenso wenig akzeptabel wie ein Diktatfrieden.

Scholz sagte weiter, er habe Russlands Präsident Wladimir Putin darauf verwiesen, dass die Sanktionen so lange in Kraft blieben, bis Russland eine "faire Lösung" akzeptiere. Der Ukraine sagte der Kanzler erneut Sicherheitsgarantien für die Zeit nach dem Krieg mit Russland zu. Diese würden aber unterhalb einer Nato-Beistandsgarantie sein.

15:08 Uhr | Kreml wirft Westen Kriegstreiberei vor

Russland hat dem Westen vorgeworfen, Friedensverhandlungen mit der Ukraine zu verhindern und den Krieg damit in die Länge zu ziehen. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte im russischen Staatsfernsehen, jetzt sei der der Moment, "wo die westlichen Länder alles auf eine Fortsetzung des Kriegs setzen". Unter Führung der USA erlaube der Westen den Ukrainern "weder an Frieden zu denken noch darüber zu reden oder ihn zu besprechen". Damit reagierte Peskow auf Äußerungen westlicher Politiker, die Ukraine nicht zu Verhandlungen drängen zu wollen.

Dmitri Peskow
Peskow: "Westliche Länder setzen alles auf Fortsezuung des Krieges." Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Peskow sagte weiter, derzeit gebe es offenbar keinen Bedarf an einer Befriedung der Lage. Trotzdem werde der Moment für Verhandlungen kommen. Für einen Frieden müsse die Ukraine aber die russischen Forderungen annehmen. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die Anerkennung der Krim als russisches Territorium, die Abtretung von Donezk und Luhansk sowie die "Entnazifizierung" und "Entmilitarisierung" der Ukraine samt deren Verzicht auf einen Nato-Beitritt als Bedingungen benannt.

14:04 Uhr | Tschechien will Luftraum der Slowakei bewachen

Tschechische Kampfjets sollen ab September den Luftraum der benachbarten Slowakei bewachen. "Ich sehe da kein Problem, die Regierung wird das sicher genehmigen", sagte Ministerpräsident Petr Fiala am Sonntag in einer Fernsehdebatte mit seinem slowakischen Amtskollegen Eduard Heger.

Die Slowakei hatte zuvor ihre Nato-Verbündeten darum gebeten, ihren Luftraum zu schützen, da die eigenen in Russland hergestellten MiG-29-Kampfjets der Ukraine überlassen werden sollen. Die Slowakei hat 2018 mehrere F-16-Kampfjets bei den Vereinigten Staaten bestellt, muss aber voraussichtlich bis 2024 auf die vollständige Lieferung warten.

Nachrichten

Der frühere NATO-General und Generalleutnant a.D. Erhard Bühler 38 min
Bildrechte: MDR / Erhard Bühler

13:26 Uhr | Steinmeier: Ukraine nicht an Verhandlungstisch drängen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich dagegen ausgesprochen, die Ukraine zu Verhandlungen über ein Ende des von Russland begonnenen Krieges zu drängen. Im ZDF-Sommerinterview sagte er: "Die Ukraine muss ihre Souveränität, muss ihre territoriale Integrität, muss ihre Unabhängigkeit wiedergewinnen."

Offen sei die Frage, wie dieser Krieg und das Blutvergießen beendet werden können. Die Erfahrung zeige aber, dass jeder Krieg am Ende am Verhandlungstisch beendet werde. Steinmeier fügte hinzu: "Wir werden die Ukraine nicht drängen. Es bleibt und ist eine Entscheidung der Ukraine, wann sie diesen Weg geht." Mit Blick auf die Auswirkungen auf Deutschland sagte er: "Es kann auch sein, dass wir mehrere harte Jahre vor uns haben." Deutschland sei aber mit einer starken Wirtschaft und Vernetzung in der Welt besser aufgestellt als viele andere.

12:31 Uhr | Gouverneur: Vier Tote durch Explosionen in Belgorod

Einsatzkräfte stehen inmitten der Ruinen eines zerstörten Gebäudes.
Einsatzkräfte stehen inmitten der Ruinen eines zerstörten Gebäudes in Belgorod. Bildrechte: dpa

Die russische Regierung hat der Ukraine vorgeworfen, die russische Grenzstadt Belgorod mit Raketen angegriffen zu haben. Die russische Raketenabwehr habe "drei von ukrainischen Nationalisten auf Belgorod abgefeuerte Raketen" abgefangen, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau.

Der für die Region zuständige Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow erklärte seinerseits, dass bei Explosionen in Belgorod nach neuen Erkenntnissen der Behörden vier Menschen getötet und vier weitere verletzt worden seien.

12:01 Uhr | Moskau meldet Eroberung von Lyssytschansk und der gesamten Region Luhansk

Beschädigte Wohngebäude in Lyssytschansk
Beschädigte Wohngebäude in Lyssytschansk Bildrechte: dpa

Russland hat nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu die einstige Großstadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine eingenommen. Damit habe man auch die völlige Kontrolle über das Gebiet Luhansk, meldete Schoigu nach einem Bericht der Agentur Interfax an Präsident Wladimir Putin. Von ukrainischer Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung, es wurde jedoch eingeräumt, dass die Stadt umstellt sei. Lyssytschansk ist seit Tagen heftig umkämpft.

09:40 Uhr | "Brot für die Welt": Entwicklungshilfe muss afrikanischen Markt nachhaltig stärken

In Anbetracht der aufziehenden Hungerkrise in Afrika fordert "Brot für die Welt", lokale Märkte in Afrika zu stärken, statt sich auf den Getreideexport aus Europa zu konzentrieren. "Es ist viel sinnvoller, wenn sich die Produktion vor Ort weiterentwickelt. Nur so lösen sich Abhängigkeiten auf", sagte Michael Hansmann, der das Hilfswerk in Brüssel vertritt, dem Evangelischen Pressedienst.

Hintergrund des Appells ist, dass mit dem Ukrainekrieg Getreidelieferungen aus der Ukraine und Russland stocken. Die Länder gehören zu den größten Produzenten für Weizen und gelten als Kornkammern der Welt. Durch die Blockade von Straßen und Häfen dort drohen Hungerkatastrophen in Afrika.

08:55 Uhr | Zahlreiche Explosionen in Melitopol

Die von russischen Truppen besetzte Großstadt Melitopol im Süden der Ukraine ist in der Nacht zum Sonntag von Dutzenden Explosionen erschüttert worden. Mehr als 30 Geschosse seien auf einen der vier russischen Militärstützpunkte in der Stadt abgefeuert worden, teilte der ukrainische Bürgermeister von Melitopol, Iwan Fjodorow, in einer auf seinem Telegram-Kanal verbreiteten Videoansprache mit.

Laut Fjodorow wurden Militärgerät und mehrere Treibstofflager getroffen. Zugleich wurde bekannt, dass Ein- und Ausfahrt aus der Stadt gesperrt wurden. Nach Aussagen Fjodorows wurde zudem ein russischer Zug zum Entgleisen gebracht. Dieser habe Nachschub für die russischen Besatzer in die Stadt bringen sollen. Die Front zwischen russischen und ukrainischen Truppen verläuft rund 60 Kilometer nördlich der Großstadt.

08:16 Uhr | Russische Truppen fassen in Lyssytschansk Fuß

Die russischen Truppen sind nach ukrainischen Angaben in Lyssytschansk eingerückt. "Im Raum Donezk konzentrieren sich die Okkupanten darauf, ihre Positionen in den Städten Lyssytschansk und Werchnjokamjanka zu festigen", teilte der ukrainische Generalstab am Sonntag mit. Unklar ist noch, ob ukrainische Einheiten in der Stadt sind.

Am Samstag hatten die prorussischen Separatisten bereits die Einnahme von Lyssytschansk verkündet, Kiew entgegnete darauf, die strategisch wichtige Stadt sei noch unter eigener Kontrolle.

04:00 Uhr | Explosionen im russischen Belgorod

Russischen Angaben zufolge hat es in der Stadt Belgorod nahe der ukrainischen Grenze Explosionen gegeben. Sie hätten zu einem Brand in einem Wohnhaus geführt. "Die Gründe für den Vorfall werden derzeit untersucht", schrieb der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow, auf dem Nachrichtendienst Telegram. Voraussichtlich werde das Luftabwehrsystem aktiviert. Drei Verletzte seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Behörden südrussischer Regionen hatten wiederholt Vorfälle gemeldet, bei denen es sich um Angriffe aus der Ukraine gehandelt haben soll.

02:00 Uhr | Netzagentur will notfalls Gasverbrauch per Anordnung senken

Ein ungleicher Gasdurchfluss infolge eines russischen Exportstopps hätte der Bundesnetzagentur zufolge für Deutschland weitreichende Folgen. "In dem Moment, in dem der Druck im Gasnetz in einer Region unter ein gewisses Mindestmaß fallen würde, würde auf einen Schlag in Hunderttausenden Gasthermen die Sicherung einspringen", sagte Netzagentur-Präsident Klaus Müller der Funke Mediengruppe. Die Sicherungen müsste dann händisch von geschulten Fachkräften wieder freigeschaltet werden, wenn wieder Gas in der Region verfügbar wäre. Ein solches Szenario könne niemand wollen, "weil es sehr lange dauern würde, die Gasversorgung wiederherzustellen", sagte Müller.

Es werde deshalb "immer das Ziel der Bundesnetzagentur sein, notfalls Reduzierungen beim industriellen Verbrauch anzuordnen, damit dieses Szenario nicht eintritt", erklärte der Netzagentur-Präsident. Die Gasflüsse seien in der Bundesrepublik bislang etwa gleichmäßig verteilt. "Das könnte sich ändern, sollten wir nur noch Gas aus Norwegen, den Niederlanden oder Belgien erhalten", sagte Müller. Deshalb würden die Speicher schon jetzt so gefüllt, dass auch der Süden ausreichend versorgt werden könne.

Claudia Kreft, Juristin bei der Verbraucherzentrale Thüringen in Erfurt 17 min
Bildrechte: MDR/Florian Girwert
17 min

Claudia Kreft von der Verbraucherzentrale Thüringen spricht über Gastpreise, über eigentlich verbotene (Holz-)Öfen, Unterstützung für Rentner, über gute Zeitpunkte für Öl-Nachkauf, richtige Heizungseinstellungen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 01.07.2022 11:50Uhr 17:11 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-service-heizkosten-gas-heizung-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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00:05 Uhr | Selenskyj: Aufbau einer modernen Ukraine erfordert Milliarden

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat internationale Hilfe beim Wiederaufbau seines Landes gefordert. Dabei gelte es, "eine neue Grundlage für unser Leben zu schaffen: sicher, modern, komfortabel, barrierefrei", sagte er in seiner täglichen Ansprache. Dies erfordere "kolossale Investitionen, Milliarden, neue Technologien, bewährte Verfahren, neue Institutionen und natürlich Reformen".

Selenskyj wiederholte seine Erwartung eines langen Krieges, dessen Brutalität mancherorts zunehme. Er appellierte an seine Landsleute, sich freiwillig für Kriegsopfer zu engagieren.

00:00 Uhr | Ticker am Sonntag, 3 Juli 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem aktuellen Stand. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Juli 2022 | 06:00 Uhr

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