Ukraine-Krieg Ticker vom Freitag: Von der Leyen in Butscha

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat sich in Butscha ein Bild von der Lage gemacht. In der ostukrainischen Stadt Kramatorsk hat es einen Raketenangriff auf den Bahnhof gegeben. Es gab mindestens 50 Tote und rund 100 Verletzte. Moskau meldete den Abschuss ukrainischer Hubschrauber. Der ukrainische Botschafter in Deutschland attackiert Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer wegen dessen Haltung zu Russland. Die aktuellen Ereignisse im Ukraine-Krieg hier im Ticker.

Ursula von der Leyen, betrachtet gemeinsam mit Josep Borrell und Denys Schmyhal abgedeckte Leichen getöteter Zivilisten.
Ursula von der Leyen in Butscha Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, weil wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:56 Uhr | Selenskyj: Menschen in Deutschland "absolut nicht kalt"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft der deutschen Regierung einen zu zögerlichen Kurs in der Ukraine-Politik und im Kampf gegen Russland vor. Im Interview mit "Bild Live" lobte Selenskyj das Kohle-Embargo im neuen EU-Sanktionspaket gegen Russland, kritisierte aber zugleich, dass es nicht weit genug ginge. "Länder, Deutschland gehört auch dazu, sind gegen ein Öl und Gas-Embargo. Ich bin froh, dass das 5. Paket (der EU-Sanktionen) das Kohle- und Holz-Embargo enthält", sagte Selenskyj.

Ukraines Staatschef mahnte erneut mehr Unterstützung an. "Deutschland hat uns nicht mit Waffen unterstützt. Deutschland hat offen darüber gesprochen, dass wir kein Mitglied der NATO sein werden. Aber wenn wir ehrlich bleiben: die Rhetorik von Deutschland hat sich verändert. Deutschland ist konservativ und kalt - aber der Zug hat sich bewegt", sagte Selenskyj. Die Menschen in Deutschland aber seien "absolut nicht kalt". Er lobte die großen Demonstrationen für die Ukraine: "Da war viel Unterstützung. Dort habe ich das Gesicht der Deutschen gesehen."

22:54 Uhr | Pentagon: Russland baut militärische Einheiten wieder auf

Die russischen Streitkräfte bemühen sich nach Ansicht des US-Verteidigungsministeriums ihre Einheiten nach Verlusten im Norden der Ukraine mit neuem Material und Soldaten wieder aufzubauen. Es gebe auch Berichte, wonach die Einheiten, die nun im Osten der Ukraine eingesetzt werden sollten, durch das Mobilisieren "Zehntausender Reservisten" verstärkt werden sollten, sagte der Sprecher des Pentagons, John Kirby. Einige der russischen Einheiten, sie sich zuletzt über Belarus zurückgezogen hätten, seien "fast komplett vernichtet", sagte Kirby. Es sei daher unklar, ob sie wieder eingesetzt werden könnten oder mit anderen Verbänden zusammengelegt werden müssten, die weniger "Personal, Ausrüstung, Fahrzeuge" verloren hätten, sagte er.

Es sei noch unklar, wie schnell die Russen ihre Truppen für den Einsatz im Osten der Ukraine wieder stärken könnten, sagte Kirby. Er warnte jedoch, die Russen hätten trotz ihrer Verluste immer noch den Großteil ihrer in der Region gebündelten Schlagkraft für den Krieg zur Verfügung.

22:34 Uhr | Morawiecki: Sanktionen funktionieren bis zum heutigen Tag nicht

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sieht noch keine Wirkung der bisherigen Sanktionen des Westens gegen Russland. Im Gespräch mit den ARD-"Tagesthemen" sagte er, er sorge sich um die Souveränität der Ukraine. "Ich weine innerlich". Er sehe "Menschen, die dahingeschlachtet werden, wie im Zweiten Weltkrieg", und wie die "Kriegs- und Verbrechensmaschine der Russen weitergeht".

22:25 Uhr | Neues EU-Sanktionspaket gegen Russland in Kraft

Die neuen EU-Sanktionen gegen Russland wurden am Freitagabend veröffentlicht und sind damit in Kraft. Grund für die neuen scharfen Sanktionen gegen Russland sind insbesondere bekanntgewordene Kriegsverbrechen in der Umgebung der Hauptstadt Kiew nach dem Abzug russischer Truppen.

Die neuen Strafmaßnahmen beinhalten einen Importstopp für Kohle, Holz und Wodka, ein vollständiges Transaktionsverbot zulasten vier wichtiger russischer Banken, ein Einlaufverbot für Schiffe unter russischer Flagge in EU-Häfen, weitere Handelsbeschränkungen mit Russland im Umfang von rund zehn Milliarden Euro und den Ausschluss russischer Firmen von fast allen öffentlichen Ausschreibungen in der EU. 

Weitere 217 Personen und 18 Organisationen kommen zudem auf die EU-Sanktionsliste. Sie dürfen nicht mehr in die EU einreisen und etwaige Vermögen in der EU würden eingefroren. Unter den Betroffenen sind beide Töchter von Russlands Präsident Putin sowie Oligarchen.

21:50 Uhr | Pentagon: Russen für Angriff auf Bahnhof in Kramatorsk verantwortlich

Nach Ansicht des US-Verteidigungsministeriums sind die russischen Streitkräfte für den tödlichen Raketenangriff auf einen Bahnhof in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk verantwortlich. Russlands offizielle Dementis in dieser Sache seien "nicht überzeugend", sagte der Sprecher des Pentagons, John Kirby.

"Unsere Einschätzung ist es, dass das ein russischer Angriff war und dass sie eine ballistische Kurzstreckenrakete genutzt haben, um ihn auszuführen", sagte Kirby. Mit Blick auf die zivilen Opfer sagte er, der Angriff sei erneut ein Beispiel der russischen "Brutalität" und der "Sorglosigkeit" gegenüber der Zivilbevölkerung.

21:45 Uhr | Zahl der Toten nach Angriff in Kramatorsk gestiegen

Bei dem Raketenangriff auf den Bahnhof im ukrainischen Kramatorsk sind mindestens 50 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien auch fünf Kinder, teilten die Behörden mit. Nach Angaben von Gouverneur Pawlo Kyrylenko wurden bei dem Angriff auch dutzende Menschen verletzt. 98 Personen seien in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Viele der Menschen hatten am Bahnhof gewartet, um sich in Richtung Westen in Sicherheit zu bringen.

21:40 Uhr | Deutschland gibt kleinen Teil der Rohölreserve frei

Deutschland wird in den kommenden sechs Monaten in mehreren Schritten Rohöl aus seiner Reserve freigeben. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, geht es um 6,5 Millionen Barrel. Das entspreche rund vier Prozent der deutschen Mineralölreserve. Mit der Freigabe erfüllt Deutschland eine Zusage an die Internationale Energieagentur. Zudem wollen die 31 Mitgliedsstaaten weitere 120 Millionen Barrel Erdöl freigeben, um die Folgen des Krieges von Russland gegen die Ukraine an den Märkten abzumildern.

Das Wirtschaftsministerium betonte, die Ölversorgung sei zurzeit gesichert. Es gebe in Deutschland keine Einschränkung bei der Versorgung mit Rohöl und Mineralölprodukten.

21:34 Uhr | Russische Zentralbank lockert einige Devisenvorschriften

Die russische Zentralbank lockert einen Teil ihrer Devisenvorschriften. Demnach dürfen russische Geldinstitute ab dem 18. April Fremdwährungen in bar an Einzelpersonen verkaufen, teilte die Notenbank mit. Außerdem dürfen Einzelpersonen Euro- und Dollar-Beträge von ihren Fremdwährungskonten abheben. Die Obergrenze bleibe jedoch bis zum 9. September bei 10.000 Dollar. Die Zentralbank hatte die Vorschriften eingeführt, um die heimische Landeswährung Rubel nach den westlichen Sanktionen wegen des Einmarsches in die Ukraine zu stützen.

21:25 Uhr | Russland entzieht NGOs die Zulassung

Russland schließt die Büros der Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch. Wie das Justizministerium in Moskau mitteilte, haben die Organisationen gegen russische Gesetze verstoßen. Deshalb seien sie aus dem offiziellen Register ausländischer Nichtregierungsorganisationen ausgeschlossen worden. Insgesamt sei 15 ausländischen Organisationen die Zulassung entzogen worden, hieß es. Dazu gehören nach Angaben des Justizministeriums auch die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung und die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung.

21:15 Uhr | Guterres verurteilt Bombardierung des Bahnhofs Kramatorsk

UN-Generalsekretär António Guterres hat den Raketenangriff auf einen Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk scharf verurteilt. Guterres erklärte in New York, solche Angriffe auf Zivilisten seien komplett inakzeptabel und verletzten die Menschenrechte. Er rief alle Kriegsparteien auf, die Zivilbevölkerung zu schützen und die brutalen Kämpfe sofort zu beenden. Die Führung in Moskau wies die Vorwürfe zurück. Die prorussischen Separatisten beschuldigten die ukrainische Armee, den Angriff verübt zu haben.

20:54 Uhr | Bürgermeister: Über 130 erschossene Zivilisten in Makariw bei Kiew

Unweit der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind im Ort Makariw nach Angaben des Bürgermeisters 132 Zivilisten erschossen aufgefunden worden. Die meisten Toten seien in Massengräbern entdeckt worden, sagte Wadym Tokar im ukrainischen Fernsehen.

Tokar machte für das Verbrechen russische Soldaten verantwortlich, die mehrere Orte in der Region bis vor kurzem besetzt hatten. Die Angaben konnten zunächst nicht überprüft werden. Das mehr als 50 Kilometer westlich von Kiew gelegene Dorf sei zu etwa 40 Prozent zerstört, sagte der Bürgermeister. Es gebe derzeit weder Strom- noch Gas-Versorgung.

20:24 Uhr | Österreichs Kanzler nach Kiew aufgebrochen

Als weiterer Spitzenpolitiker der EU hat sich Österreichs Kanzler Karl Nehammer auf den Weg nach Kiew gemacht. Wie das Bundeskanzleramt in Wien berichtete, brach der Regierungschef mit seiner Delegation am Freitagabend in die Ukraine auf.

Am Samstag seien ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie ein Besuch in Butscha geplant. Außerdem will Nehammer den Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko treffen.

19:11 Uhr | Starke Inflation in Russland

Die Inflation in Russland ist von Februar bis März um 7,6 Prozent gestiegen und weist damit die größte Zunahme seit Januar 1999 auf. Die Zuckerpreise stiegen sogar um 44 Prozent, die für Zwiebeln um die Hälfte und für Waschmaschinen um 46 Prozent, wie aus Daten des Statistikamts Rosstat hervorgeht. Im Jahresvergleich liegt der Anstieg des Verbraucherpreisindex für März bei 16,7 Prozent nach knapp 9,2 Prozent im Februar.

18:02 Uhr | Scholz und Johnson sagen weitere Waffen zu

Bundeskanzler Olaf Scholz und der britische Premierminister Boris Johnson haben der Ukraine weitere Waffenlieferungen zugesagt. Die Nato-Staaten seien sich einig, nicht Kriegspartei zu werden, aber man helfe der Ukraine, sich selbst zu verteidigen, sagte Johnson nach einem Gespräch der beiden Regierungschefs. Großbritannien werde alles liefern, was einen defensiven Charakter habe. Er nannte etwa Flugabwehrraketen. Auch Scholz sagte, dass Deutschland der Ukraine "kontinuierlich" Waffen liefern werde.

17:13 Uhr | Von der Leyen in Butscha

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell (2.v.r) entzünden Kerzen für die Opfer des Massakers in einer Kirche neben einem Massengrab.
Von der Leyen und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell (2.v.r) entzünden Kerzen für die Opfer des Massakers Bildrechte: dpa

Wenige Tage nach Bekanntwerden des Massakers an Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha ist EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in die Ukraine gereist. Sie machte sich als erste westliche Spitzenpolitikerin ein Bild von der Lage. Die deutsche Politikerin sah dort unter anderem 20 exhumierte Leichen aus einem Massengrab.

Von der Leyen sagte: "Wir haben das grausame Gesicht von Putins Armee gesehen, wir haben die Rücksichtslosigkeit und die Kaltherzigkeit gesehen, mit der sie die Stadt besetzt hat." Zudem betonte sie, in Butscha habe man gesehen, "wie unsere Menschlichkeit zertrümmert wurde" und die ganze Welt trauere mit den Menschen in Butscha. Zusammen mit dem ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal entzündete von der Leyen Kerzen für die Opfer.

In Kiew traf von der Leyen heute auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen. "Wir stehen an eurer Seite, wenn ihr von Europa träumt", sagte von der Leyen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. "Meine heutige Botschaft lautet, dass die Ukraine zur europäischen Familie gehört."

Man habe die ukrainische Anfrage auf EU-Mitgliedschaft laut und deutlich gehört. Zugleich sprach von der Leyen von einer "ersten positiven Antwort", als sie Selenskyj einen Fragebogen überreichte, der die Grundlage für die Gespräche über den Beitritt sein soll.

15:19 Uhr | Rund 700 Tote in Tschernihiw

Menschen erhalten humanitäre Hilfe auf dem Hof einer Schule.
Humanitäre Hilfe für die verbliebenen Einwohner von Tschernihiw Bildrechte: dpa

Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine sind in der lange heftig umkämpften Stadt Tschernihiw nach Angaben des Bürgermeisters rund 700 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien sowohl Armeeangehörige als auch Zivilisten, sagte Wladyslaw Atroschenko. Zwei Drittel der ehemals 300.000 Einwohner der Stadt nördlich der Hauptstadt Kiew seien geflohen.

Tschernihiw liegt 50 Kilometer von der Grenze zu Belarus und wurde gleich zu Beginn der russischen Invasion am 24. Februar angegriffen und von den Streitkräften eingekesselt. Die Stadt wurde zwar nie besetzt, allerdings einen Monat lang bombardiert und beschossen. In den vergangenen Tagen hatte sich die russische Armee zurückgezogen.

14:04 Uhr | EU nennt Zahlen zu eingefrorenen Vermögenswerten

EU-Staaten haben wegen des Ukraine-Kriegs bisher Vermögenswerte in Höhe von knapp 30 Milliarden Euro von Personen und Einrichtungen aus Russland und Belarus eingefroren. Das teilte die EU-Kommission mit. Demnach sind unter den Vermögenswerten Schiffe, Hubschrauber, Immobilien und Kunst. Zudem seien Überweisungen in Höhe 196 Milliarden Euro blockiert worden. Bislang gebe es jedoch nur Angaben von gut der Hälfte der 27 EU-Länder. Die Staaten seien noch dabei, die Informationen zusammenzustellen und auszutauschen.

13:38 Uhr | Japan will keine Kohle mehr aus Russland importieren

Japan hat angesichts des Krieges in der Ukraine einen Einfuhrstopp für russische Kohle angekündigt und acht russische Diplomaten ausgewiesen. "Wir werden den Import von russischer Kohle untersagen", sagte Ministerpräsident Fumio Kishida. Japan werde nach Alternativen zu den Energielieferungen suchen und letztlich "die Energie-Abhängigkeit von Russland reduzieren". Im vergangenen Jahr waren elf Prozent der nach Japan importierten Kohle aus Russland gekommen.

13:30 Uhr | Von der Leyen in Kiew angekommen

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sind mit dem Zug in der ukrainischen Hauptstadt Kiew angekommen. Während der Zugreise von Brüssel bis in die ukrainische Hauptstadt sagte von der Leyen, ihre wichtigste Botschaft an den Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei, dass es einen Weg für die Ukraine in die EU gebe. "Normalerweise dauert es Jahre, bis der EU-Rat den Antrag auf Mitgliedschaft annimmt, aber die Ukraine hat das in ein oder zwei Wochen geschafft", sagt sie. "Unser Ziel ist es, den Antrag der Ukraine noch in diesem Sommer dem Rat vorzulegen."

12:25 Uhr | Ausgewiesene Diplomaten verlassen Deutschland

Die am Montag von der Bundesregierung zu unerwünschten Personen erklärten russischen Diplomaten reisen noch am Freitag aus. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte in Berlin, es werde noch heute einen Flug von Berlin geben. Die russische Regierung habe eine Sondermaschine nach Berlin geschickt. Die ausgewiesenen 40 Personen würden damit das Land verlassen. Mit der Ausweisung hat die Bundesregierung auf die Geschehnisse im ukrainischen Butscha reagiert. Dort waren am Wochenende nach dem Abzug der russischen Truppen rund 300 Tote gefunden worden, unter ihnen viele Zivilisten. Die russischen Diplomaten sollen als Botschaftsangehörige für Geheimdienste gearbeitet haben.

12:20 Uhr | Russland weist Verantwortung für Tote in Kramatorsk von sich

Auf diesem Foto, das auf dem Telegramm-Kanal des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Zelenskyy veröffentlicht wurde, sind Blutflecken zwischen Taschen und einem Kinderwagen auf einem Bahnsteig nach russischem Beschuss des Bahnhofs in Kramatorsk, Ukraine, am Freitag, 8. April 2022, zu sehen.
Kramatorsk nach dem Angriff Bildrechte: picture alliance/dpa/Ukrainian President Volodymyr Zelenskyy's Telegram channel

Russland hat dementiert, für den Raketenangriff auf den Bahnhof von Kramatorsk in der Ukraine verantwortlich zu sein. Die Nachrichtenagentur Ria zitiert das Verteidigungsministerium in Moskau mit den Worten, der bei dem Angriff eingesetzte Raketentyp "Totschka-U" werde nur von der ukrainischen Armee verwendet. Überreste einer solchen Rakete seien nahe dem Bahnhof gefunden und von Augenzeugen fotografiert worden. Die Vorwürfe an Russland seien "eine Provokation und vollkommen unwahr". Nach ukrainischen Angaben waren bei dem Angriff heute mehr als 30 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden.

12:16 Uhr | Unternehmen Dr. Oetker zieht sich komplett aus Russland zurück

Der Nahrungsmittelhersteller Dr. Oetker zieht sich wegen des Ukraine-Krieges komplett aus Russland zurück. Das Familienunternehmen gab bekannt, dass es alle Anteile an seiner Russlandtochter an die bisherigen russischen Geschäftsführer verkaufe und damit sämtliche Aktivitäten in dem Land beende. Das Unternehmen hatte bereits direkt nach dem russischen Überfall auf die Ukraine alle Exporte nach Russland, alle Investitionen in die russische Schwestergesellschaft sowie sämtliche nationalen Marketingaktivitäten gestoppt. Das von Dr. Oetker in der Stadt Belgorod betriebene Werk produzierte seitdem nach Unternehmensangaben nur noch Grundnahrungsmittel wie Hefe und Backpulver für die russische Bevölkerung.

12:09 Uhr | Großbritannien verhängt Sanktionen gegen Putin-Töchter

Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hat Großbritannien Sanktionen gegen die Töchter von Russlands Präsident Wladimir Putin sowie von Außenminister Sergej Lawrow verhängt. Das britische Außenministerium teilte mit, die Strafmaßnahmen richteten sich gegen den "verschwenderischen Lebensstil des innersten Kreml-Kreises". Gegen Putins Töchter Maria Woronzowa und Katerina Tichonowa sowie gegen Lawrows Tochter Jekaterina Winokurowa werden Einreisesperren verhängt, mögliche Guthaben in Großbritannien werden eingefroren. Zuvor hatten bereits die USA Sanktionen gegen die Putin-Töchter verhängt. Die EU will sie ebenfalls auf ihre Sanktionsliste setzen.

11:50 Uhr | Weltmarktpreise für Getreide auf Rekordhoch

Die Weltmarktpreise für Getreide sind im März wegen des Ukraine-Krieges auf ein Rekordhoch gestiegen. Die Welternährungsorganisation FAO teilte mit, die Weltmarktpreise für Weizen seien im Laufe des Monats um 19,7 Prozent geklettert, die Preise für Mais um 19,1 Prozent. Auch die Preise für Gerste und Hirse seien auf Höchstständen. Die FAO erklärte, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe "Schockwellen" durch die Märkte geschickt. Aus Russland und der Ukraine kamen in den vergangenen drei Jahren rund 30 Prozent der weltweiten Weizen-Exporte und etwa 20 Prozent der globalen Mais-Ausfuhren.

11:41 Uhr | Haseloff und Adams begrüßen Hilfen für Ukraine-Flüchtlinge

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff dringt darauf, die Bundeshilfen für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine schnell umzusetzen. Laut Staatskanzlei in Magdeburg sagte der CDU-Politiker, die Kommunen hätten in den vergangenen Wochen Hervorragendes bei der Unterbringung geleistet. Umso wichtiger sei es, dass sie dafür die finanzielle Unterstützung vom Bund bekämen. Bund und Länder hatten gestern beschlossen, dass Geflüchtete aus der Ukraine ab 1. Juni Grundsicherung erhalten wie etwa Hartz-IV-Empfänger. Thüringens Migrationsminister Dirk Adams bezeichnete das als "Quantensprung". Das gebe den Menschen auch eine bessere Gesundheitsversorgung.

Update 10:54 Uhr | Bahn: Tote und Verletzte bei Raketenangriff in Kramatorsk

Auf den Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk hat es nach ukrainischen Angaben einen Raketenangriff gegeben. Der ukrainische Geheimdienst SBU sprach von 39 Toten, darunter auch Kinder. Etwa 4.000 Menschen hätten sich am Bahnhof aufgehalten, sagte Bürgermeister Olexander Hontscharenko. Eisenbahnchef Olexander Kamischyn sagte, etwa 100 Menschen seien verletzt worden. Zum Zeitpunkt des Angriffs sollen viele der Menschen am Bahnhof auf ihre Evakuierung in Richtung Westukraine gewartet haben.

Kramatorsk liegt in dem Teil des umkämpften ostukrainischen Gebiets Donezk, der von der Ukraine kontrolliert wird. Prorussische Separatisten erheben Anspruch auf das gesamte Verwaltungsgebiet.

10:29 Uhr | Russland meldet Abschuss ukrainischer Kampfhubschrauber

Russland hat nach eigenen Angaben die Angriffe auf die Ukraine in der Nacht zum Freitag verschärft. Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, teilte in einem Video mit, die Luft- und Raketenstreitkräfte hätten 81 Militärobjekte in der Ukraine beschossen. Unter den getroffenen Zielen seien Kommando- und Stützpunkte der ukrainischen Armee sowie Artilleriegeschütze und Mehrfachraketenwerfer im Donbass. Weiter erklärte Konaschenkow, dass die russische Luftabwehr nahe der Ortschaft Staraja Sbrujewka "zwei ukrainische Kampfhubschrauber vom Typ Mi-8 und Mi-24 abgeschossen" hat. Zudem habe die russische Flotte ein Sammel- und Ausbildungslager "ausländischer Söldner" nahe Odessa vernichtet.

09:22 Uhr | Hilfspaket für Unternehmen geplant

Die Bundesregierung hat sich auf ein Hilfspaket für Unternehmen geeinigt, die unter den Folgen des Ukraine-Krieges leiden. Das sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner im Bundestag. Lindner betonte, er werde am Mittag mit Wirtschaftsminister Robert Habeck öffentlich machen, welche zusätzlichen Unternehmenshilfen die Bundesregierung auf den Weg bringe.

08:51 Uhr | Russische Armee leidet unter Korruption und Misswirtschaft

In Russland sind die Streitkräfte hoch angesehen. Umfragen zeigen, dass keine Institution ein höheres Vertrauen in der Bevölkerung genießt. Propaganda, Militäreinsätze wie in Syrien und auf der Krim, aber auch teure Umrüstungsprogramme und Paraden haben das Image der russischen Armee gestärkt. Doch ein Blick hinter die Fassade zeigt, dass es um die Streitmacht von Wladimir Putin gar nicht so gut bestellt ist. Nach wie vor macht das Militär auch mit Korruptionsskandalen, Misswirtschaft und technischen Problemen von sich Reden.

08:28 Uhr | Ukrainischer Botschafter attackiert Kretschmer scharf

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer scharf für dessen Russland-Kurs kritisiert. Melnyk schrieb auf Twitter, Kretschmer wolle keine Panzer an die Ukraine liefern und ein Gasembargo verhindern. Er wolle stattdessen weiter mit seinem "Kumpelchen Putin kuscheln". Weiter heißt es in dem Tweet: "Ihre unverschämte Anbiederung an diesen Kriegsverbrecher bleibt eine ewige Schande."

Kretschmer hatte am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" erklärt, Deutschland dürfe nicht zu einer Kriegspartei werden. Man leiste bereits mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt für die Ukraine. Aber es sei "Tradition, keine Waffen in Konflikt- und Kriegsregionen zu liefern". Zugleich betonte er, es müsse wieder eine Art der Zusammenarbeit mit Russland geben. Wirtschaftliche Verflechtungen mit Russland blieben wichtig, auch wenn es ein Irrglaube sei, dass in Russland durch den Handel eine Demokratie entstehe.

07:24 Uhr | Erste Bushmaster-Panzerfahrzeuge auf Weg in Ukraine

Australien schickt 20 von der Ukraine angeforderte Bushmaster-Panzerfahrzeuge in das Krisenland. Die ersten olivgrün gestrichenen Truppentransporter wurden auf dem Militärflughafen Amberley in Queensland in Transportflugzeuge verladen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in der vergangenen Woche bei einer Ansprache an das australische Parlament konkret um eine Lieferung von Bushmastern gebeten. Australiens Premierminister Scott Morrison hatte Selenskyj die Lieferung bereits am Tag nach dessen Ansprache zugesagt, jedoch offengelassen, wann die Panzerfahrzeuge ausgeflogen werden sollten. Die Bushmaster hatte Australien unter anderem auch in Afghanistan eingesetzt. Sie sollen die Insassen vor Landminen und anderen Sprengkörpern schützen.

Ein Bushmaster PMV wird in ein Flugzeug verladen
Australien schickt 20 Bushmaster-Truppenfahrzeuge in die Ukraine. Die ersten von ihnen wurden nun verladen. Bildrechte: IMAGO/AAP

06:54 Uhr | Ukraine schickt Liste mit benötigten Gütern für Agrarsektor an EU

Die Ukraine hat der EU eine detaillierte Liste der benötigten Hilfe für ihren Agrarsektor geschickt. EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski sagte bei einem Treffen der EU-Agrarminister, die ukrainischen Landwirte bräuchten unter anderem "Treibstoff, Saatgut, Düngemittel, Pestizide, Tierarzneimittel und landwirtschaftliche Maschinen". "Diese Hilfe muss ihnen sehr schnell, in den nächsten Wochen, rechtzeitig für die Aussaat von Mais und Sonnenblumen gebracht werden", sagte Wojciechowski. Bei dem Treffen in Luxemburg war auch der ukrainische Landwirtschaftsminister Mykola Solsky zugeschaltet.

Hilfsorganisation warnen, dass ein Ausfall ukrainischer Lebensmittelexporte zu einer weltweiten Verschärfung des Hungers beitragen könnte. Zusammen mit Russland gehört die Ukraine zu den wichtigsten Getreidelieferanten der Welt, viele Entwicklungsländer sind davon abhängig.

06:31 Uhr | Wohl keine russischen Truppen mehr in Region Sumy

In der nordostukrainischen Region Sumy befinden sich ukrainischen Angaben zufolge keine russischen Truppen mehr. Der Chef der Gebietsverwaltung von Sumy, Dmytro Schywyzkyj, schrieb in der Nacht auf Facebook, das Territorium des Gebiets Sumy sei frei von russischen Einheiten. Sollten die Menschen Explosionen hören, so sei dies, weil Rettungskräfte und Sprengstoffexperten Munition neutralisierten, die von russischen Einheiten zurückgelassen worden sei. Schywyzkyj warnte die Menschen zugleich, dass die Region noch nicht sicher sei. Es gebe noch viele verminte und nicht auf Gefahren abgesuchte Gebiete. Man sollte nicht am Straßenrand fahren, keine Waldwege nutzen und sich keiner zerstörten Militärtechnik nähern.

04:44 Uhr | Von der Leyen mit Zug nach Kiew aufgebrochen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist mit dem Zug von Südostpolen nach Kiew aufgebrochen. In der ukrainischen Hauptstadt will sie unter anderem den ukrainischen Präsidenten Selenskyj treffen. Die ehemalige Bundesverteidigungsministerin von der Leyen wird von einer Delegation begleitet, der auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell, der slowakische Ministerpräsident Eduard Heger und mehrere EU-Parlamentarier angehören.

03:18 Uhr | Finnlands Präsident rechnet mit baldigem Nato-Antrag seines Landes

In Finnland rechnet Präsident Sauli Niinistö mit einer parlamentarischen Mehrheit für einen baldigen Antrag seines Landes auf Nato-Mitgliedschaft. Wie die "Süddeutsche Zeitung" nach einem Gespräch mit Niinistö in Helsinki berichtet, rechnet der finnische Präsident im Falle eines Antrags auch mit einer zügigen Entscheidung seitens der Nato.

Präsident Niinistö empfängt heute Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Beide werden unter anderem an einer Videokonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj teilnehmen.

01:44 Uhr | Biden begrüßt Suspendierung Russlands aus UN-Menschenrechtsrat

Der amerikanische Präsident Joe Biden hat die Abstimmung der Vereinten Nationen über die Suspendierung Russlands aus dem Menschenrechtsrat der Organisation als "einen bedeutenden Schritt der internationalen Gemeinschaft" bezeichnet. Dies sei ein weiterer Beweis dafür, "wie der Krieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin Russland zu einem internationalen Paria gemacht hat."

01:15 Uhr | WHO: Mindestens 100 Angriffe auf Krankenhäuser

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat mehr als 100 "Angriffe auf die Gesundheitsversorgung" in der Ukraine seit Beginn des Krieges verifiziert. Bei mindestens 103 Angriffen auf Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen im Land seien mindestens 73 Menschen getötet und 51 verletzt worden, sagt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in einer Pressekonferenz in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington.

00:46 Uhr | Selenskyj fordert härtere Sanktionen gegen Moskau und Waffen

Kurz nach Bekanntwerden des fünften großen EU-Sanktionspakets gegen Russland hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schärfere Strafmaßnahmen gefordert. Die nun verhängten Sanktionen reichten noch nicht aus, um Russland aufzuhalten und den Krieg zu beenden, sagt Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft.

"Es braucht mehr Sanktionen. Es braucht härtere Sanktionen", so Selenskyj. Gleichzeitig fordert er Waffen für sein Land, "mit denen wir auf dem Schlachtfeld gewinnen können". Das werde die stärkste Sanktion gegen Russland sein.

00:18 Uhr | EU-Parlamentspräsidentin: Es sind Kriegsverbrechen, die wir sehen

EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola hat Russland Kriegsverbrechen in der Ukraine vorgeworfen. In einem Interview mit CNN sagte sie: "Es sind Kriegsverbrechen, die wir sehen". Metsola war vor Kurzem in Kiew und hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj persönlich getroffen. "Wir müssen Putin und den Kreml isolieren", sagte sie weiter. Man müsse vermeiden, dass man wegschaue und man müsse zeigen, dass man keine Angst vor Russland habe. 

23:15 Uhr | Selenskyj: Lage in Borodjanka "deutlich schrecklicher" als in Butscha

Aus Sicht des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist die Lage in dem Ort Borodjanka "deutlich schrecklicher" als in der nahegelegenen Stadt Butscha. In Borodjanka gebe es "noch mehr Opfer" russischer Einheiten. Einzelheiten nannte er nicht. In Butscha sollen russische Soldaten nach Darstellung der Regierung in Kiew und des Westens Kriegsverbrechen begangen haben. Die Regierung in Moskau weist dies zurück.

Eine ältere Frau geht mit ihren Hunden an einem durch einen russischen Luftangriff beschädigten Wohnhaus vorbei.
In Borodjanka sind ganze Wohnblocks zerstört. Bildrechte: dpa

00:00 Uhr | Ticker am Freitag, 8. April 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. April 2022 | 06:00 Uhr

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