Russland-Ukraine-Krieg Ticker vom Donnerstag: Raketenangriffe in Kiew während Guterres-Besuch

Während des Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres ist Kiew beschossen worden. Gazprom verkündet einen Milliardengewinn. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck unterstellt der deutschen Politik "Ängstlichkeit".Verletzte sind in Leipzig eingetroffen. Mehr hier im Ticker.

Antonio Guterres (M), Generalsekretär der Vereinten Nationen, wird während seines Besuchs in Borodjanka in der Nähe von Kiew von Leibwächtern begleitet.
António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, hat am Donnerstag Kiew besucht. Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, weil wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:24 Uhr | Putin lässt keine ukrainischen Soldaten aus Stahlwerk abziehen

Russlands Präsident Wladimir Putin lehnt den Abzug ukrainischer Soldaten aus ihrer letzten Bastion in Mariupol, dem Stahlwerk Asowstal, ab. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow teilte mit, Putin habe deutlich gesagt, dass Zivilisten Asowstal verlassen könnten. Die Militärs müssten rauskommen und ihre Waffen niederlegen. Dies sei unverhandelbar. Derzeit bemüht sich UN-Generalsekretär Antonio Guterres um die Evakuierung der Menschen aus dem von russischen Truppen eingeschlossenen Werksgelände.

21:56 Uhr | USA fordern mehr Ukraine-Hilfe

Die US-Regierung erwartet von anderen Staaten eine Verstärkung der Hilfen für die Ukraine. Regierungssprecherin Jen Psaki sagte, sie rechne damit, dass man sich langfristig für die Ukraine einsetzen müsse. US-Präsident Joe Biden will die Ukraine-Mittel um 33 Milliarden Dollar aufstocken und damit die Hilfen drastisch erhöhen.

21:55 Uhr | Raketenangriffe in Kiew während Guterres-Besuch

Während des Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres in Kiew ist die ukrainische Hauptstadt erstmals seit rund zwei Wochen wieder mit Raketen beschossen worden. Dabei kam es nahe des Stadtzentrums zu mehreren Explosionen. "Am Abend hat der Feind Kiew beschossen: Zwei Explosionen im Stadtbezirk Schewtschenko", teilte Bürgermeister Vitali Klitschko auf seinem Telegram-Kanal mit. Dem Katastrophenschutzes zufolge wurde ein Wohnhaus getroffen. Nach vorläufigen Angaben wurden sechs Personen verletzt.

Der ukrainische Präsidentenberater Michail Podoljak sagte, vor kurzem noch habe Guterres im Kreml gesessen und "heute gibt es nur einen Kilometer von ihm entfernt Explosionen. Ist das ein Gruß aus Moskau?" Guterres sagte der BBC, er sei geschockt.

21:03 Uhr | Gauck unterstellt deutsche "Ängstlichkeit"

Joachim Gauck
Joachim Gauck Bildrechte: dpa

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat Deutschland mit Blick auf den Ukraine-Krieg zu einer aktiven Rolle aufgefordert. Drohungen russischer Politiker etwa seien nach seiner Einschätzung "eine sehr bewusst eingesetzte Strategie, die besonders in der Mitte Europas verfängt". Deutschland habe eine "besondere Neigung zur Ängstlichkeit", so wie es früher "eine besondere Neigung zum Übermut" hatte, sagte Gauck am Donnerstagabend in Leipzig. Diese "besondere Neigung zur Ängstlichkeit" äußere sich manchmal in einer Zurückhaltung, "wo wir nicht zurückhaltend sein dürften", sagte Gauck. Wenn Menschen Opfer von Gewalt würden, dürfe es keine Zurückhaltung geben. Vielmehr müssten alle verantwortlichen Möglichkeiten gesucht werden, um diesen Menschen beizustehen. Das ehemalige Staatsoberhaupt äußerte sich bei einer Veranstaltung des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" im Haus der "Leipziger Volkszeitung".

20:23 Uhr | Ramelow: Deutschland finanziert Russlands Krieg indirekt mit

Deutschland muss aus Sicht von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow wegen des Kriegs in der Ukraine den finanziellen Druck auf Russland erhöhen. "Mein Vorschlag: Bevor Russland uns den Gashahn zudreht, drehen wir den Geldhahn zu, Schritt für Schritt", sagte der Linken-Politiker der "Thüringer Allgemeinen".

Bodo Ramelow
Bodo Ramelow Bildrechte: dpa

Deutschland habe Russland seit Kriegsbeginn allein für Gas rund 2,4 Milliarden Euro überwiesen und den Krieg so indirekt mitfinanziert. Ramelow schlug vor, einen täglich immer größeren Anteil dieses Geldes auf ein Treuhandkonto zu überweisen, verbunden mit der Ansage, dass dieses Geld für den Wiederaufbau an die Ukraine geht.

Der Thüringer Regierungschef forderte zudem, deutsche Energieunternehmen, die unter russischer Kontrolle stehen, unter treuhänderische Verwaltung zu stellen. Er rede nicht von Verstaatlichung, betonte der Linken-Politiker: "Es darf nur nicht sein, dass ein Aggressor Teile der deutschen Infrastruktur kontrolliert und sogar kriegsbedingte Sonderprofite bei uns erwirtschaftet."

19:46 Uhr | Gazprom mit Milliardengewinn

Der russische Energieriese Gazprom hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von umgerechnet über 28 Milliarden Euro eingefahren. Grund für die hohen Einnahmen seien die gestiegenen Preise für Gas und Öl, teilte der vom russischen Staat kontrollierte Konzern am Donnerstag in Moskau mit. Demnach stieg der Nettogewinn von 162 Milliarden Rubel im Jahr 2020 auf 2,2 Billionen Rubel (28,4 Milliarden Euro) im Jahr 2021.

Die sich hochschaukelnden Sanktionen zwischen Russland und dem Westen machen dem Konzern allerdings zu schaffen. Gazprom teilte mit, die Gasförderung werde im laufenden Jahr wohl um vier Prozent unter der des Vorjahres liegen. Ursprünglich hatte Gazprom einen Anstieg vorhergesagt.

19:30 Uhr | Russisches Militär meldet schwere Luftangriffe auf Ukraine

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben erneut schwere Luftangriffe gegen die Ukraine geführt. "Die taktische Luftwaffe der russischen Streitkräfte hat 76 Militärobjekte beschossen", teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Donnerstag mit. Dabei seien zwei Munitionsdepots und eine Reihe von Truppenansammlungen und Militärkonvois getroffen worden. Die gegnerischen Verluste bezifferte Konaschenkow dabei auf mehr als 320 Soldaten. Durch Raketen wurden den Angaben zufolge weitere 38 Militärobjekte angegriffen. Unter anderem seien dadurch sechs Munitionsdepots vernichtet, aber auch mehrere ukrainische Raketen des Typs Totschka-U abgeschossen worden.

Unabhängig lassen sich diese Berichte nicht überprüfen.

19:21 Uhr | Schwer Verletzte in Leipzig gelandet

Am Flughafen Leipzig/Halle ist am Donnerstagnachmittag ein Airbus der Bundeswehr mit schwer verletzten Menschen aus der Ukraine gelandet. Nach Angaben des Leipziger Universitätsklinikums waren 25 Verletzte an Bord, vorrangig Zivilisten.

18:19 Uhr | Deutsche geteilter Meinung bei Bewertung der Ukraine-Politik

Beim Umgang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gehen die Meinungen der Deutschen auseinander. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten ARD-"Deutschlandtrend" hervor. Mit Blick auf deutsche Militärhilfe für die Ukraine sprachen sich 52 Prozent der Befragten für mehr Entschlossenheit und Härte gegenüber Russland aus. 40 Prozent plädierten für einen zurückhaltenden Kurs, um die russische Führung nicht zu provozieren. Den Kurs der Bundesregierung bewerteten 36 Prozent als angemessen. Für 41 Prozent geht die Reaktion der Regierung nicht weit genug, für 15 Prozent ist sie bereits zu weitgehend.

17:35 Uhr | Ermittlungen in 8.600 Fällen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen

Ukrainische und internationale Ermittler untersuchen nach den Worten der ukrainischen Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa inzwischen rund 8.600 Fälle von mutmaßlichen Kriegsverbrechen. Mehr als 4.000 weitere Fälle stünden in Zusammenhang mit Kriegsverbrechen, sagte Wenediktowa am Donnerstag der Deutschen Welle. Insgesamt seien mehr als 8.000 Ermittler mit den Fällen befasst, darunter neben Vertretern der Staatsanwaltschaft auch Polizisten, Mitarbeiter des Geheimdienstes und Ermittler aus dem Ausland.

Über die EU-Justizbehörde Eurojust seien gemeinsame Ermittlungsteams gebildet worden, sagte Wenediktowa. 14 weitere Staaten hätten zudem eigene Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine aufgenommen. Zu den untersuchten Verbrechen gehörten die Tötung von Zivilisten, Angriffe auf zivile Infrastruktur, Folter und Sexualverbrechen in den von den russischen Truppen besetzten Gebieten. Untersucht werde zudem der mutmaßliche Einsatz international geächteter Munition.

17:22 Uhr | Britischer Staatsbürger in Ukraine getötet

Ein britischer Staatsbürger ist in der Ukraine getötet worden. Das teilte das Außenministerium in London am Donnerstag mit. Ein weiterer Brite werde vermisst, hieß es zudem. Weitere Details gab es zunächst nicht. Wie der Nachrichtensender "Sky News" berichtete, waren die beiden Männer womöglich im russischen Angriffskrieg in der Ukraine aufseiten der ukrainischen Streitkräfte in Kampfhandlungen verwickelt. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es aber zunächst nicht. Erst in der vergangenen Woche hatte das russische Staatsfernsehen zwei Briten vorgeführt, die für die Ukraine gekämpft hatten und von russischen Truppen gefangen genommen wurden.

16:47 Uhr | USA wollen Ukraine mit Milliarden helfen

US-Präsident Joe Biden beantragt beim Kongress 33 Milliarden Dollar (rund 31 Milliarden Euro) zur Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland. Davon seien 20 Milliarden Dollar an Militärhilfen für die Ukraine vorgesehen, sagte ein US-Regierungsvertreter am Donnerstag. "Das bedeutet Waffen und Munition, die an das ukrainische Volk gehen."

15:28 Uhr | OVG Sachsen-Anhalt untersagt T-Shirts mit Aufdruck "Z-itronenlimonade"

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) von Sachsen-Anhalt hat das Tragen von T-Shirts mit dem Aufdruck "mmmhhh Z-itronenlimonade" auf einer Versammlung in Halle untersagt. Das Gericht sieht mit seinem am Donnerstag in Magdeburg verkündeten Beschluss in dem Wortspiel mit überdimensionalem "Z" den objektiven Straftatbestand der Billigung eines Angriffskriegs erfüllt. Vom Tragen der T-Shirts auf einer für Donnerstag angemeldeten Demonstration gehe "eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit" aus.

Das "Z" gilt als Symbol der Unterstützung für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Mit seiner Entscheidung revidierte das OVG ein anderslautendes Urteil des Verwaltungsgerichts Halle und bestätigte eine Versammlungsauflage der Polizeiinspektion, mit der dem Antragsteller das Tragen der T-Shirts bei der Versammlung untersagt worden war.

15:17 Uhr | Nato plant langfristig

Die Nato ist zu einer langfristigen Unterstützung der Ukraine bereit, auch über Jahre, wie Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel erklärt. Dies beinhalte eine Umschulung der Soldaten vom alten sowjetischen Gerät hin zu moderner Ausrüstung aus dem Westen. "Wir müssen langfristig vorbereitet sein", sagt Stoltenberg. Es sei möglich, dass dieser Krieg Monate dauere oder gar Jahre.

14:05 Uhr | Inflation im April auf 7,4 Prozent gestiegen

Die Inflation in Deutschland hat wegen des Ukraine-Kriegs und hoher Energiepreise im April weiter angezogen. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise um 7,4 Prozent über dem Niveau des März. Im März hatte die Teuerung bei 7,3 Prozent gelegen.

Vor allem stark gestiegene Energiepreise heizen die Inflation an, der Krieg in der Ukraine hat diesen Trend noch verstärkt. Die Bundesregierung hat inzwischen zwei milliardenschwere Pakete geschnürt, um die Menschen in Deutschland zu entlasten.

13:23 Uhr | Sachsen-Anhalt: Keine dauerhaften Sonderklassen für ukrainische Schüler

Die AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt ist mit dem Vorhaben gescheitert, ukrainische Schüler längerfristig in Sonderklassen zu unterrichten. Ein entsprechender Antrag wurde im Parlament in Magdeburg abgelehnt. Bildungsministerin Eva Feußner sagte, niemand wisse, wann der Krieg ende. Deshalb sei es richtig, eine Integration in den Regelbetrieb zu ermöglichen. Die CDU-Politikerin verwies auf die Ankunftsklassen, in denen Kinder und Jugendliche Sprachbarrieren abbauen könnten. Die AfD forderte, dass der Unterricht in Sonderklassen nach ukrainischem Lehrplan erfolgen müsse und Deutsch ergänzend gelehrt werden solle. So sollten die Kinder bestmöglich auf ihre Rückkehr in die Ukraine vorbereitet werden.

12:10 Uhr | Guterres besucht zerstörte Vororte von Kiew

UN-Generalsekretär António Guterres hat in der Ukraine mehrere zerstörte Vororte von Kiew besucht. In Borodjanka sagte er: "Ich stelle mir meine Familie in einem dieser Häuser vor, die nun zerstört und schwarz sind. Und ich sehe meine Enkeltöchter in Panik davonlaufen." Krieg sei im 21. Jahrhundert nicht zu akzeptieren, fügte er hinzu. Der UN-Generalsekretär wollte sich noch heute mit dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba und Präsident Wolodymyr Selenskyj treffen.

Am Dienstag war er in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow zusammengekommen. In Moskau kritisierte Guterres mehrfach die russische Invasion in die Ukraine und forderte humanitäre Korridore für Zivilisten.

11:37 Uhr | Scholz dankt Japan für Unterstützung der Ukraine

Bundeskanzler Olaf Scholz hat Japan für die Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland gedankt. Scholz sagte in Tokio, Japan habe sich von Beginn des Krieges an klar und entschieden an die Seite der Ukraine, Europas und der USA gestellt. Es sei weit mehr als eine politische Geste gewesen, dass Premierminister Fumio Kishida im März zu einem G7-Krisengipfel nach Brüssel gereist sei.

Japan hat als eins von drei asiatischen Ländern neben Südkorea und Singapur Sanktionen gegen Russland verhängt. Waffenlieferungen hat sich Japan selbst in einer pazifistischen Nachkriegsverfassung verboten. Allerdings stellt Tokio erstmals einer Kriegspartei Ausrüstungen zur Verfügung, darunter schusssichere Westen, Stahlhelme, Winterkampfkleidung, Schutzkleidung gegen Chemiewaffen sowie kommerzielle Drohnen zur Aufklärung. Das alles kommt direkt aus den Beständen des eigenen Militärs.

Update 11:25 Uhr | Bundestag will Lieferung schwerer Waffen an Ukraine

Der Bundestag fordert die Bundesregierung zur Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine auf. Das Parlament verabschiedete dazu mit großer Mehrheit einen gemeinsamen Antrag der Regierungsfraktionen von SPD, Grünen und FDP sowie der oppositionellen CDU/CSU-Fraktion. Darin heißt es, Deutschland solle im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen Waffen zur Selbstverteidigung liefern. Das gelte in Abstimmung mit den Nato-Partnern auch für schwere Waffen. Dabei sollten insbesondere Waffen sowjetischer oder russischer Bauart bereitgestellt werden, weil diese sofort eingesetzt werden könnten.

08:37 Uhr | Luftwaffe holt weitere kriegsverletzte Ukrainer nach Deutschland

Die Luftwaffe bringt weitere kriegsverletzte Ukrainer aus Polen zur Behandlung nach Deutschland. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa ist dazu in Köln ein Flugzeug gestartet. Das Spezialflugzeug A310 MedEvac soll Kinder und Erwachsene ausfliegen, um in Deutschland schwerste Verletzungen besser medizinisch versorgen zu können. Der A310 MedEvac ist die fliegende Intensivstation der Luftwaffe. Verletzte werden in der Luft von Sanitätssoldaten weiterbehandelt. In der Vergangenheit waren auch verwundete ukrainische Soldaten nach Deutschland gebracht worden. Außerdem gab es zivile Hilfstransporte.

08:09 Uhr | Mittelstand fürchtet Stopp russischer Gas-Lieferungen

Der deutsche Mittelstand sorgt sich vor einem möglichen Stopp der russischen Gas-Lieferungen. Der Vorsitzende des Mittelstandsverbands BVMW, Markus Jerger, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, "eine gestörte Gasversorgung hätte kaum kalkulierbare Auswirkungen für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes". Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen hätten in solch einem Fall "kaum Chancen, ihre Produktion schnell und flexibel zu verlagern".

Derzeit sei die Versorgungslage in Deutschland zwar stabil, jedoch habe der russische Lieferstopp nach Polen und Bulgarien gezeigt, "dass wir jederzeit auf das Schlimmste gefasst sein müssen", sagte Jerger. Es komme jetzt darauf an, die Versorgungssicherheit für den nächsten Winter zu gewährleisten. Schnelle Investitionen in den Aufbau nationaler Reserven seien daher "unumgänglich", außerdem müssten langfristig gesehen die erneuerbaren Energien "schneller und konsequenter" ausgebaut werden. Die Bundesnetzagentur sieht für Deutschland derzeit keine Probleme bei der Gasversorgung, beobachtet die neue Lage aber nach eigenen Angaben "sehr genau".

06:46 Uhr | Mieterbund fordert zusätzliche Anstrengungen für Flüchtlinge

Der Deutsche Mieterbund hat den Bund aufgefordert, angesichts des Zuzugs von Ukraine-Flüchtlingen mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Sprecherin Jutta Hartmann sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, es sei unklar, wie viele Geflüchtete dauerhaft in Deutschland blieben. In jedem Fall benötigten die ohnehin angespannten Wohnungsmärkte aber dringend Entlastung. Neben der Schaffung bezahlbarer Wohnungen gehe es um den Erhalt der Bezahlbarkeit von bereits vorhandenem Wohnraum. Dafür müsse der Mietenanstieg endlich effektiv eingedämmt, die Mietpreisbremse verschärft und Mietwucher verhindert werden. Solche Lösungen könnten schnell umgesetzt werden und hingen allein vom politischen Willen ab.

06:23 Uhr | Sachsen-Anhalt rechnet mit mehr Kriegsverletzten aus Ukraine

Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne rechnet damit, dass das Land in den kommenden Wochen mehr kranke und verwundete Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine aufnimmt. Der "Mitteldeutschen Zeitung" sagte sie, deren gute medizinische und pflegerische Versorgung sei humanitäre Pflicht. Bislang würden drei Menschen aus umkämpften ukrainischen Gebieten im Klinikum Bergmannstrost Halle versorgt. Weitere 18 Personen seien in ambulanter Behandlung.

Die bundesweite Verteilung kriegsverletzter Ukrainer läuft über die sogenannten Kleeblatt-Verbünde benachbarter Bundesländer. Sachsen-Anhalt stimmt sich dazu im "Kleeblatt Ost" mit Berlin, Brandenburg, Sachsen und Thüringen ab.

04:45 Uhr | Deutsche Heizungsbauer verzeichnen Rekordnachfrage

Deutsche Heizungsbauer verzeichnen derzeit eine Rekordnachfrage. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage des Zentralverbands Sanitär, Heizung, Klima hervor, die MDR AKTUELL exklusiv vorliegt. Demnach sind die Firmen bis Ende August komplett ausgelastet, so stark wie nie zuvor. Der Verband teilte mit, über Jahresfrist habe sich die Auftragsreichweite in diesem Frühjahr auf knapp 18 Wochen erhöht. Dies sei ein Anstieg um knapp ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr.

Als Gründe führt der Verband den Ukrainekrieg, steigende Energiekosten und die Inflation an. Der Fachkräftemangel habe sich ausgeweitet. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen berichteten über offene Arbeitsplätze. Auch Lieferprobleme machen demnach 94 Prozent der Heizungsbaufirmen zu schaffen.

03:25 Uhr | Bundestag will Ukraine-Antrag verabschieden

Mit den Stimmen von Koalition und Union will der Bundestag heute ein Signal für die Unterstützung der Ukraine setzen. Die Ampel-Fraktionen und CDU/CSU wollen einen gemeinsamen Antrag zur Unterstützung der Ukraine verabschieden. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, der Ukraine auch mit militärischem Material beizustehen, einschließlich schwerer Waffen. Der Beschluss hat keinen rechtlich bindenden Charakter für die Regierung.

Der Verabschiedung soll eine 80-minütige Debatte vorausgehen. Zudem soll der Bundestag den Gesetzentwurf zur Entlastung bei den hohen Energiepreisen verabschieden. Das Gesetz sieht vor, dass die EEG-Umlage früher als zunächst geplant bereits im Juli auf null abgesenkt werden soll.

02:03 Uhr | Wirtschaftsweise Grimm: Nicht auf Rubel-Zahlungen umschwenken

Nach dem Gaslieferstopp für Polen und Bulgarien hat die Wirtschaftsweise Veronika Grimm die Bundesregierung und die Europäische Union dazu aufgefordert, den Forderungen Russlands nach einer Bezahlung der Gaslieferungen in Rubel weiterhin nicht nachzugeben. "Russland testet mit dem Lieferstopp wieder einmal den Zusammenhalt in der EU. Es ist klar: Was immer wir tun, um die Zahlungen für Energielieferungen an Russland zu beschränken – wir müssen bereit sein, derartige Drohszenarien auszuhalten", sagt Grimm der Zeitung "Rheinische Post".

01:17 Uhr | Selenskyj würdigt Proteste im eroberten Cherson

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die pro-ukrainische Protestkundgebung im eroberten Cherson gewürdigt, die nach Angaben des ukrainischen Generalstaatsanwalts von russischen Kräften mit Tränengas und Blendgranaten aufgelöst wurde. "Ich bin allen dankbar, die nicht aufgegeben haben, die protestieren, die die Besatzer ignorieren und den wenigen Menschen, die zu Kollaborateuren geworden sind, zeigen, dass es für sie keine Zukunft gibt", sagt Selenskyj.

01:03 Uhr | Selenskyj kritisiert russischen Gas-Lieferstopp: "Energieerpressung"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den russischen Lieferstopp für Gas an Polen und Bulgarien scharf kritisiert. "In dieser Woche hat die russische Führung eine neue Serie von Energieerpressungen gegenüber den Europäern begonnen", sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. Der Lieferstopp sei "ein weiteres Argument dafür, dass niemand in Europa auf eine normale wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland hoffen" könne.

"Russland betrachtet nicht nur Gas, sondern auch jeden anderen Handel als Waffe." Dafür warte Moskau nur auf einen günstigen Moment. "Entweder um die Europäer damit politisch zu erpressen. Oder um die russische Kriegsmaschinerie zu stärken, die ein geeintes Europa als Ziel ansieht", meinte Selenskyj. Je früher Europa erkenne, dass es im Handel nicht von Russland abhängig sein könne, desto eher werde die Stabilität der europäischen Märkte gewährleistet sein.

00:28 Uhr | Russland kritisiert USA für Weitergabe von Hubschraubern an Ukraine

Russland hat gegen die Weitergabe von Hubschraubern aus russischer Produktion an die Ukraine durch die USA protestiert. Der Vertrag von 2011 lege fest, dass die Hubschrauber für Afghanistan vorgesehen seien und nur mit russischer Zustimmung an andere Länder weitergegeben werden dürften, teilte die für militärtechnische Zusammenarbeit zuständige russische Behörde FSWTS der Agentur Interfax zufolge mit. Eine Belieferung der Ukraine sei rechtswidrig und eine grobe Vertragsverletzung.

00:01 Uhr | Morawiecki fordert EU-Finanzhilfen wie 2015 für Türkei

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat die Europäische Union um Hilfen für die Aufnahme von Geflüchteten gebeten. Sein Land versorge verwundete Soldaten aus der Ukraine und beherberge "2,5 Millionen Flüchtlinge". "Dafür brauchen wir Geld", sagt Morawiecki der Zeitung "Bild". Bisher habe die EU dafür "keinen Cent" gezahlt. Polen wolle eine faire Behandlung: "Die Türkei wurde bei der letzten Flüchtlingswelle mit Milliarden unterstützt. Ich denke: Auch wir haben jetzt EU-Hilfe verdient."

00:00 Uhr | Ticker am Donnerstag, 28. April 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. April 2022 | 06:00 Uhr

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